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6. Juli 2026 | 20:02 Uhr
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Schöner Wohnen ohne Schilder

An der Küchentür die Info "Zutritt nur für Personal", im Treppenhaus ein Hinweis auf das Rauchverbot, am Schrank ein Zettel in vergilbter Klarsichthülle, auf dem "Vasen" steht: Das Wohlgefühl steigern solche Schilder nicht bei Bewohnern und Besuchern. Auch Heimleitungen und Mitarbeiter wollen eigentlich keine Atmosphäre wie auf der Behörde. Eigentlich. Aber wie geht es anders? Sarai Metten von Telluride Architektur ist dazu einiges eingefallen.

Verbotsschilder sind in Pflegeheimen meistens deplatziert und auch unnötig: Die meisten Bewohner und Besucher wissen, was verboten und erlaubt ist       

Ein Gedanke vorab: Vielleicht sind viele Schilder in einem Pflegeheim gar nicht nötig, weil Bewohner, Besucher und Mitarbeiter die Einrichtung kennen. Sie wissen also ohnehin, was tabu und erlaubt ist. Und wer neu hinzukommt, erfährt es schnell mündlich oder geht schlicht davon aus, dass er im Treppenhaus nicht rauchen darf, schließlich ist das in nahezu in allen Treppenhäusern in Deutschland seit Jahrzehnten der Fall. Und diejenigen, die trotzdem rauchen, werden sich vermutlich auch nicht von einem Verbotsschild abhalten lassen. Die erfordern meistens direkte Ansprache.  

Aber was ist mit den oft schlampigen DIN-A4-Zetteln, die in Klarsichthüllen stecken und auf Vasen im Schrank hinweisen oder auf den Speiseplan? Sind die auch verzichtbar? "Für die Speisepläne könnte man einen schönen Wechselrahmen kaufen. Vielleicht gibt es einen Bewohner oder eine Mitarbeiterin mit schöner Handschrift – die könnten die Speisen auf ein festeres und ansprechenderes Blatt Papier schreiben und dazu noch, wenn sie Lust haben, eine kleine Torte, eine Tomate oder was immer gerade passt, verziehen", sagt Sarai Metten, die bei Telluride den Bereich Design Studio leitet. 

Auf die Wörter "müssen" und "sollen" verzichten

"Und die Vasen? Die sind oft so attraktiv, dass sie auf einem Regal stehen könnten. So machen sie den Flur wohnlicher und sind außerdem gut zu sehen, so dass sich die Frage nach der Beschilderung erübrigt", meint Metten. 

Und wenn doch einmal ein Hinweisschild nötig sein sollte? Für diesen Fall empfiehlt die Design-Expertin, die Schilder wertiger drucken und anschließend laminieren zu lassen. Und ganz wichtig: Auf den Ton achten: auf die Wörter "müssen" und "sollen" verzichten, ebenso wie auf die Befehlsform. "Wenn Sie Ihr benutztes Geschirr hier abstellen - wir würden uns freuen" klingt um einige Grad freundlicher als "Geschirr hier abstellen" oder selbst "Geschirr bitte hier abstellen". Es sind ein paar mehr Worte, aber es lohnt sich.

Kirsten Gaede