Tanzen statt Tabletten, Helm statt Fixierung
Weniger Sedativa, weniger Fixierungen und mehr individuelle Lösungen: Das Seniorendomizil Marienthal von Compassio setzt seit 2024 auf den Werdenfelser Weg. Es geht darum, freiheitsentziehende Maßnahmen weitgehend zu vermeiden. Anstatt Bewohner mit Gurten zu sichern oder mit Medikamenten ruhigzustellen, setzt die Einrichtung auf Alternativen – vom Tanztee als natürliche Schlafhilfe bis hin zum Sturzhelm statt Rollstuhlgurt. Einrichtungsleiterin Doris Frammelsberger (Foto) beobachtet, dass die Bewohner eigenständiger wirken und das Team zufriedener ist.
Compassio
Einrichtungsleiterin Doris Frammelsberger prüft zu freiheitsentziehenden Maßnahmen und fragt jedes Mal, ob es nicht auch anders geht
Im Mittelpunkt des Konzepts Werdenfelser Weg steht die Frage, wie sich Risiken reduzieren lassen, ohne die Bewegungsfreiheit der Bewohner einzuschränken. So haben die Pflegfachkräfte des Seniorendomizils Marienthal gemeinsam mit Ärzten und Apothekern Medikationspläne überprüft und sedierende Arzneimittel reduziert, wo dies medizinisch vertretbar war. Stattdessen setzt die Einrichtung auf individuelle Ansätze.
Ein Beispiel ist der monatliche Tanztee, der Bewegung fördert und außerdem für einen besseren Schlaf sorgt. Es fällt auf, dass Bewohner nach solchen Veranstaltungen seltener Schlaftabletten benötigen, beobachtet Einrichtungsleiterin Doris Frammelsberger.
Auch Aromapflege spielt beim Werdenfelser Weg eine Rolle
Geht es nicht auch anders? Diese Frage stellt sich das Team jetzt in vielen Situationen. Ein Beispiel ist ein Bewohner, der immer wieder aus dem Rollstuhl aufstehen wollte. Anstatt ihn mit einem Gurt zu fixieren, entschied sich das Team für einen Sturzhelm. Auch Aromapflege mit individuell ausgewählten Düften kommt zum Einsatz, um Sicherheit und Wohlbefinden zu fördern.
Inzwischen prüft Frammelsberger alle Anträge zu freiheitsentziehenden Maßnahmen und fragt jedes Mal, ob es nicht auch anders geht. Sie sieht im Werdenfelser Weg nicht nur einen Gewinn für die Bewohner. Viele Pflegekräfte möchten bewusst ohne unnötige Sedierungen und Fixierungen arbeiten. Dadurch steigt auch die Attraktivität des Berufs.