Wenn der Bewohner ein Delir entwickelt – eine Leitlinie
Ein Delir tritt bei älteren Menschen oft nach Operationen auf – das ist vielen Pflegekräften bekannt. Aber auch Bewohner im Pflegeheim können betroffen sein, ganz unerwartet, weshalb ein Delir manchmal lange unerkannt bleibt. Doch was genau ist in einer solchen Situation zu tun? Wann kann es zu einem Delir kommen? Und: Wie lässt sich vorbeugen? Auf alle diese Fragen gibt die neue S3-Leitlinie, "Delir im höheren Lebensalter" der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, praxisnahe Antworten.
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Ein Delir tritt unvermittelt auf, es ist keine Demenz
Plötzlich wirkt der Bewohner auffällig desorientiert, reagiert verlangsamt oder ungewöhnlich unruhig. Das Bewusstsein schwankt, bekannte Routinen brechen weg. Für Pflegekräfte ist das ein Alarmsignal: Es könnte sich um ein Delir handeln – eine akute Funktionsstörung des Gehirns, häufig, folgenreich und noch immer zu oft übersehen.
Gerade bei älteren Menschen zählt das Delir zu den schwerwiegendsten Komplikationen. Typische Auslöser sind Infektionen, Operationen, neue oder ungeeignete Medikamente, Dehydratation, Schmerzen oder akute Belastungssituationen. Auch Schlafmangel und eine ungewohnte Umgebung spielen eine Rolle.
Mit früher Mobilisation, Flüssigkeitszufuhr und Schlafunterstützung vorbeugen
Die neue S3-Leitlinie setzt klar auf nicht-medikamentöse Prävention und Therapie. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Multikomponenten-Interventionen: strukturierte Kommunikation, Orientierungshilfen, frühe Mobilisation, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Schlafunterstützung. Die Wirksamkeit dieser Interventionen ist durch eine Meta-Analyse belegt. Für Pflegeeinrichtungen liefert die Leitlinie damit eine evidenzbasierte Grundlage für den Alltag.
Besonders praxisnah ist die ergänzende Betroffenen- und Angehörigenleitlinie. Sie erklärt verständlich, wie ein Delir erkannt wird, enthält Checklisten zur Risikoeinschätzung und gibt konkrete Hinweise zur Vorbeugung. Das erleichtert Aufklärung, stärkt Angehörige und unterstützt Pflegekräfte, frühzeitig gegenzusteuern.