Benevit-Chef Pfister – Mann mit Vision
Wenn es in der Altenpflegebranche eine Person gibt, deren Name automatisch mit einem Konzept verbunden wird, dann ist das Kaspar Pfister. In seinem jahrelangen Kampf für die "Mitmachpflege", bis hinauf in die Bundespolitik, ist er zu "Mr Stambulant" geworden. Auf seit Leitthema kommt er auch immer wieder im Care-vor9-Fragebogen "Persönlich" Thema zu sprechen. Nebenbei offenbart der 69-Jährige einen Faible für Visionäre wie Papst Leo und Querköpfe wie den schillernd-polemischen Journalisten Gabor Steingart. Wen wundert's?
Benevit
Kaspar Pfister hat über 20 Jahre in der kommunalen Verwaltung gearbeitet, unter anderem als Kämmerer und stellvertretender Bürgermeister
Was war ihr Traumberuf als Kind?
Zimmermann, wie mein Vater, später Architekt, Bauingenieur oder Förster, geworden bin ich dann Diplom-Verwaltungswirt. Schon immer haben mich Fragen nach Orientierung, Veränderung, Verantwortung, Sinn und Hoffnung interessiert.
Wie sind Sie in die Pflege gekommen?
Als kommunaler Verwaltungsbeamter wurde ich durch eine Bürgerinitiative für das Thema Pflege sensibilisiert. Ich verließ das Rathaus und wurde Geschäftsführer verschiedener Pflegeorganisationen, kirchlicher, kommunaler und privater in Deutschland und in Österreich. Dort habe ich gelernt, was man besser machen könnte. Vor zwanzig Jahren habe ich Benevit gegründet mit dem Anspruch, Pflege neu zu denken.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Es gibt kaum eine größere Motivation, als zu erleben, dass Menschen durch unser Konzept Stambulant wieder aufblühen, dass sich ihr Gesundheitszustand nachweislich verbessert.
Was nervt sie am meisten?
Die Starrheit unseres Systems, die belehrende und besserwisserische Bürokratie, die immer stärker werdende Ignoranz der Praxis und das alles prägende Misstrauensdenken. Ein Beispiel ist das stambulante Pflegekonzept. Benevit hat dieses Modell entwickelt und gemeinsam mit den Kassen auf den Weg gebracht. In unserem Haus Rheinaue beweisen wir seit zehn Jahren, dass das Konzept funktioniert. Und dennoch müssen wir für die Umsetzung an weiteren Standorten auf Handlungsempfehlungen Dritter warten, die das Konzept nur vom Papier kennen.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Eine Weltreise, um das alles nachzuholen, was ich bisher nicht geschafft habe. Dabei würde ich nach Möglichkeit die 70 Länder besuchen, aus denen meine inzwischen rund 600 ausländischen Mitarbeiter stammen.
Wie schalten Sie ab?
Bewegung ist alles! Ich arbeite gerne im Garten, treibe Sport und freue mich über klassische Musik in Konzerten und Opern und liebe Chorgesang, vor allem Männerchöre.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Drei bis vier gleichzeitig. Schwere und leichte Kost darunter. Mein wichtigstes Buch in letzter Zeit ist "Factfulness" von Hans Rosling, daneben lese ich außerdem und daneben von Dan Brown "The Secrets of Secrets". Je nach Stimmung greife ich zur passenden Lektüre. Gerade zu Ende gelesen habe ich "Systemversagen, Aufstieg und Fall einer großartigen Wirtschaftsnation" von Gabor Steingart.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Ich war lange nicht im Kino. Den letzten Film, den ich im Kino gesehen habe, war "Der Geschmack der kleinen Dinge", in dem ein gefeierter französischer Spitzenkoch nach Japan reist, um das Geheimnis eines bestimmten Geschmacks zu lüften. Wir waren fast allein im Kino...
Ihr Lieblingsessen?
Schwäbische Maultaschen, Rindsrouladen, Spaghetti, Eintopf – ich habe nicht nur ein Lieblingsessen.
Wohin gehen Sie in den nächsten Urlaub?
Zum ersten Mal in meinem Leben nach Kärnten in Österreich.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Papst Leo XIV. Für mich ist er die Hoffnung auf ein neues Weltgewissen. Er ist politisch, er gibt auch jenseits der katholischen Kirche Orientierung und er scheint eine Vision zu haben.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Ich möchte so alt werden, wie ich heute lebe: selbstbestimmt, neugierig, in Gemeinschaft mit anderen Menschen und eine Aufgabe erfüllen. Vor allem aber möchte ich die Diskussion darüber anstoßen, wie wir alle alt werden wollen. Das verbindet mich auch mit meiner Partnerin, die ich demnächst heirate. Wenn wir irgendwann Unterstützung brauchen, dann wissen wir bereits, wo wir gerne leben möchten: in einer stambulanten Benevit-Einrichtung ganz in der Nähe unseres Zuhauses.
Kaspar Pfister ist seit 2005 geschäftsführender Gesellschafter der Benevit-Gruppe mit Sitz in seiner Heimatstadt Mössingen nahe Tübingen. Zuvor war er Geschäftsführer bei Kursana in Berlin und geschäftsführender Gesellschafter von Benevit Pflegemanagement & Consulting sowie Geschäftsführer der Benevit Vorarlberger Pflegemanagement.
Seine Laufbahn in der Altenhilfe begann der 69-Jährige 1996 bei der Stiftung Liebenau, ebenfalls in Baden-Württemberg, wo er kaufmännischer Geschäftsführer der St. Anna Hilfe für ältere Menschen und der Salvator Altenhilfe war. Davor arbeitete er mehr als 20 Jahre im kommunalen Verwaltungsdienst, unter anderem als Hauptamtsleiter, Bauamtsleiter, Kämmerer und stellvertretender Bürgermeister. Aufgewachsen ist Pfister in dem Ort Burladingen, knapp 20 Kilometer entfernt von Mössingen.