Warum Ugur Cetinkaya gern Franz Beckenbauer getroffen hätte
Klar, der Pflegechef der Sozialservice-Gesellschaft (SSG) des BRK spielte früher in der Juniorenbundesliga – da hätte es für ihn nichts Schöneres gegeben, als den Weltmeister von 1974 zu treffen. Was für Cetinkaya heute aber viel mehr zählt, ist Beckenbauers Führungsverständnis. Das bewundert er, denn Führung ist sein Herzensthema. Deshalb freut sich der gelernte Altenpfleger, der sich selbst "sozialer Aufsteiger" nennt, umso mehr, dass er jetzt jüngere Führungskräfte an die Hand nehmen kann.
privat
An der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg hat Ugur Cetinkaya über Management im Gesundheitswesen promoviert
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Fußballprofi – ganz klar! Ich habe in der Juniorenbundesliga gespielt und alles darangesetzt, Profi zu werden. Leistung und Disziplin waren mir schon damals wichtig.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Eher durch Zufall. Nach dem Ende meiner Fußballkarriere und einer abgebrochenen Ausbildung landete ich über ein Praktikum im BRK-Seniorenwohnen Kieferngarten in München. Die Heimleiterin dort hat mich so beeindruckt, dass ich dort die Altenpflegeausbildung begann.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Das People Business. Ich liebe es, Führungskräfte zu befähigen, besser zu werden, Strukturen zu hinterfragen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Bewohnende und Personal wohlfühlen. Wenn mir jemand schreibt, dass ich ihm Mut gemacht hätte, eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen, ist das für mich unbezahlbar.
Was nervt Sie am meisten?
Wenn Führungskräfte Zusagen nicht einhalten und nicht einmal kommunizieren, warum. Das zerstört Vertrauen. Ebenfalls ein Aufreger: wenn KI oder Digitalisierung als Selbstzweck eingesetzt wird, ohne zu fragen, was sie dem pflegerischen Prozess wirklich bringt.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Wahrscheinlich doch nicht wirklich abschalten! Ich würde reisen, verschiedene Pflegesysteme in anderen Ländern kennenlernen und meine Erkenntnisse für ein Buch bündeln. Daneben würde ich endlich wieder regelmäßig kicken.
Wie schalten Sie ab?
Mit meiner Familie – sie ist meine Energiequelle. Als dreifacher Vater gibt es daheim genug, das einen erdet. Dazu kommt Sport, vor allem Fußball spielen mit meinen Söhnen oder ins Fitnessstudio gehen. Oder einfach eine kurze Auszeit mit meiner Frau Daniela.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese gerade viel über partizipative Führung und verschiedene Coaching-Ansätze, passend zu meinem eigenen Führungsverständnis. Fachlich steht immer etwas über KI und aktuelle Entwicklungen in der Pflege auf dem Nachtschrank.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Ehrlich gesagt komme ich selten ins Kino – dafür schaue ich Serien und Dokumentationen, meist über gesellschaftliche Aufstiege, Sport oder Führungspersönlichkeiten. Das inspiriert mich und passt zu meiner eigenen Geschichte als sozialer Aufsteiger.
Ihr Lieblingsessen?
Eindeutig italienisches und türkisches Essen – ich habe türkische Wurzeln und meine Frau ist Italienerin, das schmeckt man. Aber auch ein bayerisches Schnitzel nach einem langen Arbeitstag hat seinen Reiz – ich bin eben auch Rosenheimer durch und durch.
Wohin geht's im nächsten Urlaub?
Wenn es geht, nach Italien an den Strand: Sonne, gutes Essen und Zeit mit der Familie – mehr brauche ich nicht. Und natürlich möglichst weit weg von "großen Fragestellungen".
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Ich hätte gerne Franz Beckenbauer getroffen. Er ist für mich das beste Beispiel dafür, wie authentische, menschliche Führung funktioniert – auf höchstem Niveau, mit klaren Werten und echter Wertschätzung für sein Team. Genau das, wofür ich in der Pflege auch kämpfe: Führung, die Menschen wirklich sieht.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
In Würde, im Kreise meiner Familie – und hoffentlich in einer Gesellschaft, in der wir die Altenpflege so weit entwickelt haben, dass jeder Mensch mit Respekt und echter Fürsorge alt werden kann.
Ugur Cetinkaya, gebürtiger Münchner mit türkischen Wurzeln, ist als Geschäftsfeldleiter stationäre Pflege bei der Sozialservice-Gesellschaft (SSG) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) für sämtliche 26 Standorte der SSG zuständig. Der examinierte Altenpfleger studierte berufsbegleitend Gesundheits- und Sozialmanagement sowie Management von Organisationen im Gesundheitswesen, anschließend promovierte er an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Auf Instagram berichtet er seinen rund 10.000 Followern seit vielen Jahren über die Widrigkeiten der Altenpflegebranche. Der 38-jährige Cetinkaya ist verheiratet, hat drei Söhne und lebt im Raum Rosenheim.