Salem-Chef Schultz will mehr, als einfach Vorstand sein
Wenn der Chef der Diakonie Stiftung Salem über seine Arbeit spricht, gerät er ins Schwärmen, wird sein Ton fast pastoral: Es gehe um Würde, Vertrauen und darum, Verantwortung wirklich ernst zu nehmen – jeden Tag", schreibt Christian Schultz im Care-vor9-Fragebogen "Persönlich". Auch sein Hobby, das Fliegen, beflügelt ihn. Selbst dort aber sucht er, der früher viele Jahre als Küchenmeister gearbeitet hat, Verantwortung. Für die, denen nicht so viel Kraft gegeben ist, wie ihm.
privat
Christian Schultz ist ein Tausendsassa: Er hat Koch gelernt, einen MBA sowie Qualifikationen als Mediator, systemischer Coach und Moderator absolviert – und nicht zuletzt Flugstunden
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Pilot. Der Blick von oben, die Freiheit und die Verantwortung haben mich schon früh fasziniert – und tun es bis heute.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Nach über elf Jahren in der Hotellerie – zunächst als Koch, dann als Küchenmeister – und einem anschließenden BWL-Controlling-Studium wurde mir klar, dass ich mit und für Menschen arbeiten möchte. Der Wunsch, echte Beziehungen zu gestalten, brachte mich in die Altenpflege und die Sozialwirtschaft.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Dass es um Menschen geht. Um Würde, Vertrauen und darum, Verantwortung wirklich ernst zu nehmen – jeden Tag. Ich liebe es, dass ich etwas bewegen kann und gestalten darf. Die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, motiviert mich jeden Tag.
Was nervt Sie am meisten?
Wenn gute Pflege an Bürokratie scheitert. Und wenn Kontrolle wichtiger wird als Menschlichkeit. Gleichzeitig nervt es mich, wenn bewährte Innovationen nicht refinanziert werden und in der Politik die Praxis oft nicht gehört wird.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Viel fliegen, reisen, zuhören. Und vermutlich dort unterstützen oder mitarbeiten, wo Engagement und Verantwortung gebraucht werden. Ich würde mein Projekt des Inklusionsfliegens weiter ausbauen und noch mehr Flugschülerinnen und -schülern das Fliegen beibringen.
Wie schalten Sie ab?
In der Luft. Als ehrenamtlicher Fluglehrer und Ausbildungsleiter erlebe ich Fliegen nicht nur als Hobby, sondern als sinnstiftende Aufgabe. Draußen sein, Bewegung, gute Gespräche – das hilft mir, den Kopf freizubekommen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese gerne Texte, die zum Nachdenken zwingen und meinen Blick auf Innovation und Zukunft erweitern. Gerade lese ich drei Bücher über Künstlicher Intelligenz parallel, unter anderem "Mut zur KI" von Philipp Depiereux und "Digitaler Kolonialismus" von Ingo Dachwitz und Sven Hilbig.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Der letzte Kinofilm war "Sully". Die Geschichte von Piloten Sullenberger und seiner Notlandung auf dem Hudson River beeindruckte mich – vor allem die Verbindung von Spannung und Menschlichkeit. Aus den Erkenntnissen dieser Situation habe ich übrigens eine Führungskräfteschulung "Führung fällt nicht vom Himmel" entwickelt.
Ihr Lieblingsessen?
Bodenständig und mit viel Liebe zubereitet – meine Lieblingsgerichte entstehen unter meiner kreativen Hand als Küchenmeister, die Vielfalt der saisonalen Produkte meisterhaft zur Geltung bringen. Für mich bedeutet Genuss nicht nur gutes Essen, sondern auch das Zusammensein und die Wertschätzung der regionalen und saisonalen Zutaten.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Dorthin, wo es Weite gibt – in der Landschaft und im Kopf. Gerne mit der Möglichkeit, auch mal abzuheben. Ergänzend dazu plane ich im Rahmen meiner diesjährigen Studienreise des Kaiserswerther Verbandes nach Südkorea, die Arbeit unserer Diakonissen vor Ort kennenzulernen.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Menschen, die Verantwortung übernehmen und dennoch zuhören können. Haltung ist mir wichtiger als Status. Und natürlich beeindruckt mich jemand wie Chesley "Sully" Sullenberger besonders: Seine Entscheidung, in einer Extremsituation ruhig zu bleiben, Verantwortung für das Leben aller an Bord zu übernehmen und gleichzeitig menschlich zu agieren, zeigt genau die Haltung, die ich schätze.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Selbstbestimmt, eingebunden und aktiv. In einem Umfeld, in dem Menschlichkeit zählt und man seine Erfahrung weitergeben darf. Und sofern ich irgendwann auf Pflege angewiesen sein sollte, wünsche ich mir eine Hausgemeinschaft, in der gegenseitige Unterstützung und Wärme selbstverständlich sind.
Zur Person: Christian Schultz ist seit 2013 kaufmännischer Vorstand und Geschäftsführer der Diakonie Stiftung Salem in Minden. Zuvor arbeitete er als Geschäftsführer und Heimleiter im Bürgerheim Biberach sowie als selbstständiger Unternehmensberater. Außerdem ist der Diplom-Betriebswirt stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Kaiserswerther Verbandes und sitzt im Aufsichtsrat der Diakonie Stiftung Thüringen. Der 60-Jährige Vater einer Tochter ist in Bad Salzhausen bei Frankfurt am Main aufgewachsen.