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28. Juli 2026 | 07:00 Uhr
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Bundeskanzler entlässt Gesundheitsexperten Tino Sorge

Bundeskanzler Friedrich Merz setzt die nächste Personalrochade im Gesundheitsministerium in Gang: Der Parlamentarische Staatssekretär Tino Sorge (Foto) muss seinen Posten räumen. Eine Begründung für die überraschende Entscheidung nannte Merz bislang nicht. Sorge, einer der erfahrensten Gesundheitspolitiker der CDU, reagiert mit einem ungewöhnlich scharfen, stellenweise schon sarkastischen Brief. Darin kritisiert der CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt nicht nur seine Ablösung, sondern auch den Umgang des Kanzlers mit ihm.

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Wie verletzt Tino Sorge sich fühlt, ist seinem Brief in jeder Zeile anzumerken 

Für Tino Sorge muss die Nachricht ein Schock gewesen sein. Noch bevor Merz persönlich mit ihm sprach, verkündete der Kanzler die Personalentscheidung nach Sorges Darstellung in Parteigremien und vor der Presse. "Dass er sie – anstelle eines persönlichen Gesprächs mit mir – zuerst in Parteigremien und vor der Presse verkündet hat, bleibt seine eigene Stilfrage", schreibt Sorge in einem Brief, den er auch auf Social Media veröffentlicht hat. 

Der Brief ist bar jeder diplomatischen Verpackung. Aus ihm sprechen Enttäuschung und tiefe Verletzung. Sorge macht deutlich, dass er gern im Amt geblieben wäre: "Es ist kein Geheimnis, dass ich meine Arbeit an dieser zentralen Schaltstelle der Gesundheitspolitik gern fortgeführt hätte." Dem künftigen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und dessen Team wünsche er dennoch "alles erdenklich Gute und viel Erfolg".

Ein Fachpolitiker mit jahrelanger Erfahrung muss gehen

Die Entscheidung überrascht auch deshalb, weil Sorge anders als der neue Minister seit Jahren in der Gesundheitspolitik zu Hause ist. Der Jurist gehört dem Bundestag seit 2013 an. Von 2021 bis 2025 war er gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und leitete deren Arbeitsgruppe Gesundheit. Seit Mai 2025 arbeitete er als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium.

Nach der Bundestagswahl war der Magdeburger zeitweise selbst als möglicher Gesundheitsminister gehandelt worden. Nun verliert er seinen Posten ausgerechnet in dem Moment, in dem mit Linnemann ein Minister ohne vergleichbare fachpolitische Erfahrung an die Spitze des Ressorts rückt.

An Sorges Stelle soll Christiane Schenderlein treten. Die 44-jährige CDU-Politikerin ist bislang Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Auch dieser Wechsel stößt auf Unverständnis. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete Schenderlein gegenüber dem MDR als das "erfolgreichste Kabinettsmitglied" und erklärte, er könne nicht nachvollziehen, warum sie ihr bisheriges Amt verlassen müsse.

Merz werde "die Entscheidung mit Bedacht getroffen haben", schreibt Sorge sarkastisch   

Eine nachvollziehbare fachliche Erklärung für Sorges Entlassung ist bislang nicht öffentlich geworden. Weder wurden Differenzen in der Gesundheitspolitik bekannt noch Kritik an seiner Amtsführung. Auch in der bisherigen Berichterstattung findet sich kein belastbarer Hinweis darauf, dass der Staatssekretär wegen seiner Arbeit im Ministerium abgelöst wurde.

Sorge selbst begegnet der Entscheidung mit offener Ironie. "Angesichts der Ereignisse der letzten Tage und am Vorabend mehrerer Landtagswahlen wird der Bundeskanzler diese Entscheidung mit Bedacht getroffen haben", schreibt er. Es bleibe zu hoffen, dass sie "einer übergeordneten Logik folgt, die größer ist als die Summe einzelner Personalentscheidungen".

Der Satz zielt erkennbar auf die seit Tagen anhaltende Personalrochade innerhalb der CDU. Der Rücktritt des bisherigen Unionsfraktionschefs Jens Spahn hatte eine Kette von Umbesetzungen in Fraktion, Regierung und Partei ausgelöst. Neben dem Gesundheitsministerium sind unter anderem das Kanzleramt, das Verkehrsressort und mehrere Staatsministerposten betroffen.

Eine unverständliche Entscheidung vor der Landtagswahl

Für die CDU in Sachsen-Anhalt ist die Ablösung von Sorge so kurz vor der Landtagswahl am 6. September keine gute Nachricht. Sorge zieht seit 2013 für das Land in den Bundestag ein und war bislang einer der ranghöchsten Bundespolitiker der dortigen CDU. 

Ministerpräsident Sven Schulze hat zwar nicht direkt Sorges Entlassung kritisiert, aber vor negativen Folgen des gesamten Berliner Personalkarussells für den Wahlkampf gewarnt. Die anhaltende Unruhe mache es schwer, sich auf die Themen des Landes zu konzentrieren, sagte Schulze im Deutschlandfunk. Er forderte deshalb einen schnellen Abschluss der Personalentscheidungen.

Dass Merz kurz vor dieser Wahl einen der bekanntesten CDU-Bundespolitiker aus Sachsen-Anhalt ohne öffentlich erkennbare Begründung aus dem Amt entfernt, könnte die Landespartei schwächen. Warum der Kanzler dieses Risiko eingeht, bleibt offen. Sorges bitterer Brief liefert darauf keine Antwort. 

Kirsten Gaede

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