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12. August 2026 | 07:00 Uhr
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Fast alle Pflegekräfte halten ihre Arbeit für bedeutsam

Pflegekräfte sind körperlich und psychisch deutlich belasteter als Beschäftigte in anderen Berufen. Trotzdem halten sie ihre Arbeit fast unisono für gesellschaftlich bedeutsam. Je nach Pflegesetting sagen das gut über 90 Prozent, in anderen Berufen sind es 76 Prozent. Das zeigt eine Auswertung der Erwerbstätigenbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Fast alle Pflegekräfte finden ihre Arbeit sinnvoll, auch wenn sie ihre Handlungsspielräume als begrenzt erleben 

Insgesamt wurden rund 20.000 Erwerbstätige ab 15 Jahren befragt, die mindestens zehn Stunden pro Woche arbeiten. Ein Teil der Ergebnisse überrascht wenig: Pflegekräfte stehen und gehen häufiger und müssen deutlich öfter schwere Lasten heben und tragen. Aussagekräftiger ist der Vergleich bei psychischen Anforderungen. Starker Termin- und Leistungsdruck, häufige Arbeitsunterbrechungen sowie emotional belastende Situationen kommen in der Pflege deutlich häufiger vor. Auch Teilzeit ist stärker verbreitet als in anderen Berufsgruppen.

Auffällig sind auch die begrenzten Handlungsspielräume. Nur 48 bis 58 Prozent der Pflegekräfte geben an, ihre Arbeit selbst planen zu können, in anderen Berufen sind es 70 Prozent. Beim Zeitpunkt der Pausen reicht der Anteil je nach Pflegesetting von 41 bis 52 Prozent, gegenüber ebenfalls 70 Prozent bei den übrigen Beschäftigten.

Ganz einheitlich ist das Bild allerdings nicht. Gerade ambulant Pflegende erleben offenbar vergleichsweise viel Freiheit: 60 Prozent können ihre Arbeitsziele mitbestimmen und 89 Prozent die Art und Weise ihrer Arbeit selbst gestalten. Beschäftigte in der akutstationären Pflege berichten bei mehreren Punkten dagegen von geringeren Handlungsspielräumen.

Vorgesetzte unterstützen in der Pflege vergleichsweise selten

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Wahrnehmung der eigenen Tätigkeit: Zwischen 92 und 97 Prozent der Befragten in den unterschiedlichen Pflegebereichen halten ihre Arbeit für wichtig und gesellschaftlich bedeutsam. In den übrigen Berufen sagen das 76 Prozent.

Pflegekräfte haben also ein ausgeprägtes berufliches Selbstverständnis, obwohl sie gleichzeitig von mehr Belastungen und geringeren Gestaltungsmöglichkeiten berichten. Ob sie sich gesellschaftlich ausreichend anerkannt fühlen, beantwortet die Erhebung allerdings nicht.

Auch bei der Unterstützung durch Vorgesetzte schneidet die Pflege schlechter ab. Nur 54 bis 57 Prozent berichten häufig von Unterstützung durch direkte Führungskräfte; bei den Beschäftigten anderer Berufe sind es 64 Prozent.

Pflegekräfte aus Krankenhäusern gesundheitlich offenbar am stärksten belastet 

Die Belastungen zeigen sich auch gesundheitlich. Pflegekräfte nennen häufiger Schmerzen im unteren Rücken sowie im Schulter- und Nackenbereich. Hinzu kommen psychosomatische Beschwerden wie Schlafstörungen sowie körperliche und emotionale Erschöpfung.

Die akutstationäre Pflege trifft es besonders: Beschäftigte in Krankenhäusern berichten insgesamt am häufigsten von den untersuchten gesundheitlichen Beschwerden. Die Autoren empfehlen deshalb, Verbesserungen nicht pauschal für "die Pflege" zu entwickeln, sondern die unterschiedlichen Bedingungen in Krankenhaus, stationärer Langzeitpflege und ambulanter Pflege stärker zu berücksichtigen.

Die gerade veröffentlichte Gesamterhebung "Berufliche Pflege im stationären und ambulanten Bereich: Arbeitsbedingungen und Gesundheit im Vergleich" aus 2024 umfasst rund 20.000 Erwerbstätige.