Die gesetzliche Krankenversicherung steht aktuell vor erheblichen Herausforderungen. Bereits im vergangenen Jahr kämpften die Kassen mit zu hohen Ausgaben, dieser Trend scheint sich auch in diesem Jahr fortzusetzen. Die Finanzergebnisse für das erste Quartal 2026 zeigen, dass die Ausgaben fast doppelt so stark steigen, wie die Einnahmen. Für das kommende Jahr prognostiziert der GKV-Spitzenverband daher eine Finanzierungslücke von rund 18 Mrd. Euro.
Diese Entwicklung trifft ein System, das rund 75 Millionen Versicherte versorgt und damit knapp 90 Prozent der Bevölkerung abdeckt. Die von der Bundesregierung geplante GKV-Reform soll die Ausgabendynamik begrenzen und Beitragssteigerungen verhindern. Ziel ist es, das Gesundheitssystem nachhaltig zu finanzieren und damit auch für zukünftige Herausforderungen abzusichern.
Konsolidierung der Krankenkassen
Ein kurzer Blick zurück zeigt, wie sich der Krankenkassenmarkt verändert hat: 1970 lag die Anzahl der Krankenkassen laut Statista noch bei 1.815. Heute haben wir insgesamt 93 gesetzliche Krankenkassen, die organisatorisch und finanziell selbstständig agieren.
In den 1990er-Jahren schlossen sich zahlreiche Kassen zusammen, die allein nicht wettbewerbsfähig waren. Trotz dieser Konsolidierung bleibt die weiterhin hohe Anzahl der Kassen in der Kritik. Denn jede Kasse hat einen eigenen Verwaltungsapparat, der einen Kostenfaktor im Gesundheitssystem bildet und daher möglicherweise Einsparungspotenzial bietet.
Insolvenz von Krankenkassen
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage: Was passiert, wenn eine Krankenkasse Insolvenz anmeldet? Und was bedeutet das für Leistungserbringer und Patient*innen?
Seit 2010 ist es grundsätzlich möglich, dass gesetzliche Krankenkassen insolvent gehen. Der Bundestag hat dies mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-OrgWG) geregelt. Anders als bei Unternehmen in der freien Wirtschaft haften im Falle einer Insolvenz die übrigen Kassen. Da offene Forderungen aus verfassungsrechtlichen Gründen erfüllt werden müssen, werden diese also von anderen Krankenkassen beglichen. Für Patient*innen bedeutet das, dass ihre Versorgung gesichert ist und sie lediglich die Krankenkasse zeitnah wechseln müssen. Für Leistungserbringer heißt das: ihre Forderungen bleiben bestehen und werden beglichen – auch im Insolvenzfall. Gleiches gilt für die Fälle, in denen insolvenzbedrohte Kassen saniert werden oder mit einer anderen Kasse fusionieren.
Zwischen Zahlungssicherheit und Liquiditätsdruck
Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive sind Krankenkassen daher besonders sichere Debitoren. Forderungsausfälle sind faktisch ausgeschlossen. In der Praxis zeigt sich allerdings ein anderes Problem: Leistungserbringer warten häufig zwischen 30 und 90 Tage auf ihre Zahlungseingänge. In dieser Zeit müssen sie Gehälter, Miete und weitere Betriebsmittelkosten selbst vorfinanzieren. Bei vielen von ihnen kommt es dadurch zu Liquiditätsengpässen, die sich nicht nur direkt auf ihre Zahlungsfähigkeit auswirken, sondern auch dauerhaft Einfluss auf die Finanzierung ihres Betriebes nehmen.
Liquidität sichern: Factoring als Lösungsansatz
Um diesen Druck abzufedern, nutzen viele Pflegebetriebe Factoring. Dabei treten Leistungserbringer ihre offenen Forderungen gegenüber Kranken- und Pflegekassen an einen Factoring-Dienstleister, den sogenannten Factor, ab. Dieser zahlt die offenen Beträge zu einem vereinbarten Zeitpunkt aus, oftmals schon am nächsten Werktag. Der Vorteil: die regelmäßigen Zahlungseingänge lassen sich fest in die monatlichen Ein- und Auszahlungen einplanen und bieten so sofortige und sichere Liquidität.
Factoring wirkt sich somit positiv auf die Zahlungsfähigkeit und damit auf die Bonität aus und macht es für Leistungserbringer einfacher, weitere Finanzierungsinstrumente wie etwa Kredite anzufragen.
Verlässliche Zahler mit strukturellen Herausforderungen
Krankenkassen sind für Leistungserbringer verlässliche Schuldner. Als Solidargemeinschaft sichern sie Forderungen selbst in Krisensituationen ab. Trotzdem fordert ihr Zahlungsverhalten die Liquiditätsplanung vieler Leistungserbringer im Alltag heraus.
Für Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen wird es daher immer wichtiger, ihre Finanzen aktiv zu steuern. Instrumente wie Factoring können dabei helfen, die Lücke zwischen Leistungserbringung und Zahlungseingang zu überbrücken und so die wirtschaftliche Stabilität langfristig zu sichern.
Sie möchten ihre Liquidität sichern und aktiv steuern? Hier erfahren Sie, wie Factoring Sie dabei unterstützen kann.

Der Autor Andreas Dehlzeit ist Sprecher der Geschäftsführung der SozialFactoring GmbH.
