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26. Juli 2026 | 13:20 Uhr
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Linnemann soll die Pflege "einfach mal machen" lassen

Nach der Ernennung von Carsten Linnemann (CDU) zum Bundesgesundheitsminister erwartet die Pflegebranche schnelle Entscheidungen bei der Pflegereform. Der Arbeitgeberverband Pflege hofft auf einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel und fordert, die Altenpflege "einfach mal machen zu lassen". Der Bundesverband Pflegemanagement ist hingegen skeptisch und befürchtet, dass es sich bei der Personalie um eine parteipolitische Entscheidung handelt, durch die Kontinuität aufs Spiel gesetzt wird.

Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann hat im Koalitionsausschuss die Gesundheitspolitik mit verhandelt

Mit Carsten Linnemann übernimmt ein Politiker das Bundesgesundheitsministerium, dessen Schwerpunkte bislang in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik lagen. Bundeskanzler Friedrich Merz verwies bei der Vorstellung des neuen Ministers am Freitag allerdings darauf, dass Linnemann die Gesundheitspolitik bereits im Koalitionsausschuss mit verhandelt habe und die anstehenden Reformen kenne.

Vor allem beim Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) hofft die Branche nun auf neue Impulse. Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), sieht in dem Wechsel die Chance, das Gesetz noch einmal grundlegend zu überarbeiten. Gleichzeitig warnt er vor einer Phase der Handlungsunfähigkeit während des Übergangs. Jetzt müsse geliefert werden. Insbesondere bei der Refinanzierung tariflicher Löhne und beim Zugang ambulanter Dienste zu den neuen Leistungsbudgets muss aus Sicht des Verbandes noch einiges verbessert werden.

Arbeitgeberverband hofft auf wirtschaftsfreundlicheren Kurs 

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) glaubt, dass mit Linnemann ein wirtschaftsfreundlicherer Kurs in die Pflegepolitik Einzug halten wird. Präsident Thomas Greiner fordert eine "Generalüberholung" der Pflegereform. Pflegeunternehmen bräuchten mehr unternehmerische Freiheit und weniger Regulierung, um die Versorgung sicherstellen zu können. Linnemann stehe für wirtschaftliche Vernunft und den Anspruch, Dinge einfacher und schneller zu machen. "Wer 'einfach mal machen' ernst meint, muss Pflegeunternehmen und Pflegepersonal endlich machen lassen", sagt Greiner.

Auch die Ersatzkassen erwarten, dass die Reformen nun zügig vorankommen. "Immerhin hat Linnemann die gesundheitspolitischen Vereinbarungen des Koalitionsvertrags mit ausgehandelt und kennt die Probleme in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung", so der Verband der Ersatzkassen Vdek. Entscheidend sei nun, dass die notwendigen Finanz- und Strukturreformen nicht ins Stocken gerieten.

Linnemann bleibt nur wenig Zeit, sich einzuarbeiten

Zurückhaltender äußert sich der Bundesverband Pflegemanagement. Vorstandsvorsitzende Sarah Lukuc betont, Gesundheitspolitik brauche vor allem Kontinuität und dürfe nicht von parteipolitischen Personalentscheidungen geprägt werden. Pflege benötige verlässliche Rahmenbedingungen, klare Zuständigkeiten und langfristige politische Perspektiven.

So unterschiedlich die Erwartungen, die die Verbände mit Linnemann verknüpfen – in einem Punkt sind sie sich einig: Angesichts der finanziellen Schieflage der Pflegeversicherung und der offenen Reformvorhaben bleibt dem neuen Gesundheitsminister nur sehr wenig Zeit, sich in sein Ressort einzuarbeiten und erste Entscheidungen zu treffen.

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