Das Institut rechnet damit, dass die geplante Verschärfung des Zugangs zu Pflegegraden jährlich nur etwa zwei Milliarden Euro einspart. Bislang waren Einsparungen von rund vier Milliarden Euro erwartet worden. Grundlage der Analyse sind Daten von rund 1,1 Millionen AOK-Versicherten, die 2024 erstmals begutachtet wurden oder eine Höherstufung beantragten.
Dabei stellten die Forscher auffällige Häufungen von Bewertungen knapp oberhalb der Schwellenwerte zum jeweils nächsten Pflegegrad fest. Rund 21 Prozent der Erstbegutachtungen und 16 Prozent der Höherstufungen lagen in diesen Übergangsbereichen. Nach Einschätzung der AOK lassen sich etwa die Hälfte dieser Häufungen durch Anreiz- und Verhaltenseffekte erklären.
Bewertungen könnten sich an neue Grenzen verschieben
Das im Pflegeneuordnungsgesetz vorgesehene Anheben der Schwellenwerte dürfte diese Effekte nach Einschätzung der Autoren jedoch nicht beseitigen. Vielmehr könnten sich die Häufungen künftig an die neuen Grenzen verschieben. Dadurch würde das Einsparpotenzial der Reform deutlich sinken.
Das Bundesgesundheitsministerium kalkuliert durch die Änderungen an der Begutachtungssystematik für das Jahr 2027 mit Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro und für das Jahr 2030 mit 4,2 Milliarden Euro. Laut der AOK-Analyse könnten diese Beträge jedoch um bis zu 50 Prozent geringer ausfallen.
„Die Anpassung von Schwellenwerten als alleinige Maßnahme greift zu kurz“, sagt Studienautor David Scheller-Kreinsen. Wenn die Politik den Zugang zur Pflegeversicherung verändern wolle, müsse das gesamte Begutachtungssystem überprüft werden. Die Analyse Punktlandung Pflegegrad? kann kostenlos bei dem AOK-Institut heruntergeladen werden.
