Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Als Kind durfte ich in meiner Heimatstadt Rottweil den Vater zu einer Kundgebung mit Bundeskanzler Adenauer begleiten. Nur der "Alte" hat geredet und alle anderen mussten zuhören. Da beschloss ich auch, Bundeskanzler zu werden.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Einst war ich Marketingchef der Dussmann Gruppe. Der Eigentümer Peter Dussmann war irrtümlich der Ansicht, ich hätte Theologie studiert. Als er einen Chef für den Altenheimbereich Kursana suchte, meinte er, Theologie wäre für Altenheime die passende Qualifikation.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Als Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege habe ich schätzungsweise mehr als 50 CEO´s von großen Pflegeunternehmen kennen und schätzen gelernt. Ich mag Menschen, die trotz des Bürokratiewahnsinns für alte Menschen etwas bewegen.
Was nervt Sie am meisten?
Wie die Politik mit brutaler Kraft die kommende Versorgungskrise in der Altenpflege verdrängt. So viel Verdrängungsenergie hätte sich nicht einmal Sigmund Freud vorstellen können.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich brauche keine Auszeit. Ich lebe mit Goethe, nach dem Motto: Man sollte jeden Tag wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.
Wie schalten Sie ab?
Bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad ins Büro fahren ist pures Abschalten.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese immer Stereo: Früh morgens ein Sachbuch und abends Belletristik. Zurzeit: Konrad Paul Liessmanns Buch: Was nun? Eine Philosophie der Krise und Bodo Kirchhoff: Nahaufnahme einer Frau, die sich entfernt.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Im Büro: den Tesafilm. Im Kino: Vaterland von Pawel Pawlikowski. Das schwarz-weiß gedrehte Roadmovie handelt von einer Besuchsreise des deutschen Exilschriftstellers Thomas Mann und seiner Tochter Erika, die im Sommer 1949 in beide Teile des sich spaltenden Deutschland fahren. Herausragend gespielt von Hanns Zischler und Sandra Hüller.
Ihr Lieblingsessen?
Pasta Genovese mit dem selbstgemachten Pesto meiner Frau. Dazu eine Flasche Vermentino aus Ligurien.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nach Shanghai, neben Los Angeles die Stadt in der unsere Zukunft gemacht wird.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Steve de Shazer, den Erfinder der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie. Sein Ansatz basiert auf der Idee, dass Menschen die Fähigkeiten und Ressourcen besitzen, um ihre eigenen Probleme zu lösen.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Das wurde ich schon mal von Maybrit Illner gefragt. Mein Vertrag verpflichtet mich zu der Antwort: In einer stationären Pflegeeinrichtung. Und natürlich mit meinen langjährigen Wanderfreunden als Heimbeirat, mit Blick auf die Alpen, weil dahinter das Meer wartet.
Thomas Greiner, 1955 in Rottweil geboren, ist seit 2009 Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP). Zuvor hat er viele Jahre für die Dussmann-Gruppe gearbeitet; Er begann 1997 als Leiter der Unternehmenskommunikation. Von 2002 bis 2005 führte er Kursana, einen zur Dussmann-Gruppe gehörenden Pflegeanbieter. Anschließend wurde er Mitglied des Dussmann-Vorstands und übernahm 2007 dessen Vorsitz, den er bis 2011 innehatte.
Vor seiner Zeit bei Dussmann leitete Greiner das Kultur- und Sportamt der Stadt Rottweil. Er studierte Jura, Politikwissenschaften, Pädagogik und Psychologie mit Abschluss M.A. sowie Betriebs- und Volkswirtschaftslehre mit Abschluss als Diplom-Wirtschaftsförderer (VWA).
