So viele Pflegebeschwerden wie nie zuvor in Bayern
Im vergangenen Jahr sind beim Medizinischen Dienst (MD) Bayern 455 Beschwerden über insgesamt 343 Pflegeeinrichtungen eingegangen – so viele wie noch nie. Mehr als die Hälfte der daraufhin unangekündigt geprüften Fälle bestätigte sich zumindest teilweise. Häufige Anlässe für Beschwerden waren: Pflege, Medikamente, Personal und Führung.
iStock/ayakono
Für Leitungskräfte empfiehlt sich, auf Hinweise und Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern schnell zu reagieren
Die Zahl der Beschwerden ist 2025 um ein Prozent von 449 auf 455 gestiegen. Davon entfielen 234 auf stationäre Angebote, darunter 222 auf Pflegeheime. Weitere 221 betrafen die ambulante Versorgung, vor allem Pflegedienste im häuslichen Umfeld. Der Medizinische Dienst nahm infolge der Hinweise 149 unangekündigte Anlassprüfungen vor, 26 mehr als im Vorjahr.
Bei 55 Prozent dieser Prüfungen bestätigten sich die Vorwürfe überwiegend oder teilweise. Am häufigsten fanden die Prüfer Mängel in der Pflege. Es folgten Probleme bei Medikamenten und Betäubungsmitteln, bei Personal und Qualifikation sowie beim Verhalten von Beschäftigten und Führungskräften. Auch Ernährung und Flüssigkeitsversorgung, Dokumentation, Abrechnung und Hygiene spielten eine Rolle.
Tipp: Auf Hinweise von Bewohnern, Angehörigen oder Mitarbeitern schnell reagieren
Beschwerden gibt es also nicht nur über pflegefachliche Fehler, sondern häufig auch über schlechte Kommunikation und Führungsverhalten. Für Wohnbereichs-, Pflegedienst- und Einrichtungsleitungen empfiehlt sich deshalb auf Hinweise oder Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern früh zu reagieren und sie zu dokumentieren.
Der Medizinische Dienst in Bayern ist der einzige Medizinische Dienst (MD), der genaue Zahlen über Beschwerden zur Versorgung und Pflegequalität in den Einrichtungen veröffentlicht. Einige andere Bundesländer berichten auch über Beschwerden – die beziehen sich aber meistens auf die Arbeit des MD.