Teilschließung treibt Wohnstift Innblick in Insolvenz
Die Wohnstift Innblick GmbH im niederbayerischen Neuhaus am Inn hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Auslöser ist nach Angaben des Betreibers eine behördliche Teilschließung, die zu Einnahmeausfällen geführt habe. Das Landratsamt hatte zuvor von wiederholten gravierenden Pflegemängeln gesprochen. 34 schwer pflegebedürftige Bewohner müssen nun das Pflegeheim verlassen.
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Bei weitgehend unveränderten Betriebskosten sind die Einnahmen durch die Teilschließung geschrumpft
Der Betrieb des Seniorenzentrums läuft indes weiter, die Versorgung der verbliebenen Bewohner sei sichergestellt, heißt es. Die Löhne und Gehälter der rund 140 Beschäftigten sind zunächst über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.
Als Ursache für den Liquiditätsengpass nennt die Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung Ancor eine Teilschließung, die das Landratsamt Passau Ende Juli angeordnet hatte. Das Wohnstift darf seitdem keine Menschen mit Pflegegrad 4 und 5 mehr aufnehmen oder betreuen und auch keine Kurzzeitpflege mehr anbieten. 34 Bewohner mit den beiden höchsten Pflegegraden müssen deshalb in andere Einrichtungen verlegt werden. Gegen den Bescheid hat das Wohnstift Innblick Widerspruch eingelegt.
Landratsamt sah Bewohner gefährdet
Hintergrund der Anordnung sind nach Angaben des Landratsamtes wiederholt aufgetretene, teils erhebliche Pflegemängel, berichten die Passauer Neuen Nachrichten. Bei einer Kontrolle Mitte Juli seien Defizite festgestellt worden, bei denen eine "Gefährdung von Leib und Leben" besonders hilfsbedürftiger Bewohner nicht mehr auszuschließen gewesen sei. Unter anderem habe es während hoher Temperaturen Versorgungsmängel gegeben, die die Behörde als lebensbedrohlich einstufte. Bei einer Nachkontrolle seien erneut erhebliche Mängel festgestellt worden.
Bereits 2022 und 2023 hatte die Heimaufsicht wegen Qualitätsproblemen Aufnahmestopps verhängt. Die Einrichtung hat inzwischen eine neue Heim- und Pflegedienstleitung eingesetzt und will die Pflegequalität verbessern.
Geschäftsführung bleibt im Amt
Wirtschaftlich trifft die Teilschließung das Haus nach Darstellung der Betreiberin unmittelbar. Den wegfallenden Einnahmen stünden weitgehend unveränderte Betriebskosten gegenüber. Dadurch sei eine kurzfristig nicht zu schließende Liquiditätslücke entstanden.
Das 2015 gegründete Unternehmen verfügt über 183 Pflegeplätze und 25 Wohnungen für betreutes Wohnen. Im Eigenverwaltungsverfahren bleibt die Geschäftsführung im Amt. Sie wird von Sanierungsberatern der Kanzlei Anchor begleitet. Das Gericht bestellte Julian Hageböke von der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen zum vorläufigen Sachwalter.