Bei Ambiente Care in Laatzen und Unna bricht das Chaos aus
Ab April fließe wieder Gehalt, die verbleibenden Ambiente-Care-Einrichtungen würden fortgeführt, innerhalb einer Firmengruppe, die ein Geschäftsmann "aus einer wohlhabenden Familie in Saudi-Arabien" gegründet habe. So stand es in dem Brief, den leitende Mitarbeiter am 23. März von den Geschäftsführern des in die Schlagzeilen geratenen Pflegeanbieters erhielten. Der Traum ist verpufft: Seit gestern hat die Heimaufsicht den weiteren Betrieb des Ambiente-Heims in Hannover-Laatzen verboten, ähnliches ereignete sich am Standort Unna-Hemmerde nahe Dortmund.
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Die Bewohner und ihre Angehörigen haben erst am Tag zuvor erfahren, dass sie ausziehen müssen
In Unna hatten die Mitarbeiter nach zwei Monaten ohne Gehalt die Geduld verloren und ihrem Arbeitgeber ein Ultimatum gestellt: Wenn das Gehalt bis zum 1. April, 10 Uhr nicht eintreffe, würden sie die Arbeit niederlegen, so berichtet der WDR. Die Heimaufsicht hat davon erfahren und den Angehörigen geraten, Mutter, Vater oder Ehepartner aus der "Seniorenresidenz Haus am Hellweg" rauszuholen und eine Alternative zu suchen. So zogen gestern Vormittag diverse Bewohner, unterstützt von ihren Familien, aus dem Heim aus. Zurück blieben offenbar nur diejenigen, die nur einen Betreuer, aber keine Angehörigen haben, berichtet ein Mittsiebziger Care vor9, der in der benachbarten Betreuten Wohnanlage von Ambiente Care lebt.
Ambiente-Mitarbeiter sehnen inzwischen die Insolvenz herbei
Noch dramatischer ist gestern die Situation in Hannover-Laatzen gewesen, wo der Auszug keine Empfehlung, sondern ein Befehl war. Über 150 Plätze gibt es in der Seniorenresidenz, 59 davon waren bis zuletzt belegt. Die meisten Bewohner und Angehörigen hatten erst am Abend zuvor von der Schließung erfahren, auf Fotos der Hannoverschen Allgemeinen sind Menschen mit Kisten und Koffern zu sehen, sie sprechen von "Super-Gau", "Horror" und "Chaos".
Chaotisch sind die Verhältnisse aber auch an anderen Standorten: In Dresden, so berichtet ein Care-vor9-Leser, kämen Mitarbeiter nach dem Ausfall zweier Gehälter an ihre finanziellen Grenzen, Kollegen mit Finanzpolster hätten für ihre Kollegen gesammelt und ihnen ausgeholfen, damit sie ihre Miete bezahlen können.
Inzwischen sagen Ambiente-Mitarbeiter offen, sie sehnen die Insolvenz herbei. Sie haben das Vertrauen in ihren Arbeitgeber verloren und hoffen, dass mit dem Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit im Rücken die Anspannung nachlässt und sie endlich in Ruhe über ihre nächsten beruflichen Schritte nachdenken können.
Kirsten Gaede