Ambiente Care schrumpft immer weiter und schließt Herbstein
Die Krise von Ambiente Care spitzt sich zu: Erst vorige Woche hat der Pflegeanbieter verkündet, den Pflegebetrieb in Gröbenzell nahe München aufzugeben, jetzt wird bekannt, dass er auch die Seniorenresidenz im hessischen Herbstein schließt – schon zum 31. März. Damit ist das Unternehmen offenbar einem sehr wahrscheinlichen Betriebsverbot der Heimaufsicht zuvorgekommen. Unterdessen melden sich bei Care vor9 immer mehr verzweifelte Mitarbeiter.
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Die Heimaufsicht hatte Ambiente Care bereits ein Betriebsverbot angekündigt, zu dem das Unternehmen Stellung beziehen sollte
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Seit gut einem halben Jahr erhalten Ambiente-Care-Mitarbeiter ihr Gehalt verspätet, die Januar-Zahlung kam Ende Februar, das Februar-Gehalt war Freitag (20. März), bis auf einen geringfügigen Abschlag an einzelnen Standorten, noch nicht gezahlt. Erst gestern (23. März), so ist zumindest aus Herbstein zu hören, sind die Zahlungen eingetroffen. Wie es mit dem März-Gehalt weitergeht, bleibt offen.
Die ständige Ungewissheit ist für die Mitarbeiter psychisch belastend und hat für manchen knallharte Konsequenzen: In Herbstein muss eine Kollegin ihre Tochter vorübergehend aus dem Kindergarten nehmen, weil sie die Essensgebühr nicht zahlen konnte. Ein anderer Kollege kann sein Auto, mit dem er zur Arbeit fährt, nicht in die Reparatur geben.
Von Masken bis Tortenböden – es herrscht Mangelwirtschaft
Die Zahlungsengpässe von Ambiente Care betreffen auch direkt die Bewohner: Auf das Konto mit ihren Verwahrgeldern gibt es in Herbstein keinen Zugriff mehr, berichten Mitarbeiter. So muss der eine oder andere mit dem Oster- und Zigaretteneinkauf warten. Auch unter den ausbleibenden Lieferungen leiden die Bewohner: So erzählt eine Beschäftigte vom Standort in Dresden, dass die Kollegen in der Einrichtung nicht mehr backen können, weil der Tortenbodenproduzent seine Lieferungen eingestellt hat. In einer anderen Einrichtung, fehlten während "eines Ausbruchsgeschehens" Schutzkittel und Masken, berichtet eine leitende Mitarbeiterin,.
Um Wochen verspätete Gehälter, gesperrtes Verwahrgeld, fehlende Materialien – in Herbstein hat die Hessische Aufsichtsbehörde die Reißleine gezogen und Ambiente Care ein Ultimatum gestellt: Bis Mittwoch, den 26. März, sollte das Unternehmen zum angedrohten Betriebsverbot Stellung beziehen. Dem ist Ambiente Care nun zuvor gekommen – und stellt die Betriebsaufgabe als eigene Entscheidung dar.
Kirsten Gaede