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17. Januar 2026 | 19:31 Uhr
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Große Diakonie-Station in NRW stellt den Betrieb ein

Die Diakonie-Station Euskirchen (Foto) im Rheinland wird zum 31. März schließen. Der Pflegedienst, der zum Diakonischen Werk Bonn und Region gehört, versorgt fast 400 Pflegebedürftige. Noch ist unklar, wer sie künftig versorgen wird. Grund für die Schließung ist eine massive Kündigungswelle.

Die Diakonie-Station Euskirchen ist nicht zu retten: Neun von 15 Vollzeitstellen bleiben künftig unbesetzt

Die Mitteilung auf der Homepage der Diakonie für Bonn und die Region klingt lapidar: "Spätestens zum 31. März 2026 wird die Diakonie die ambulante Pflege in Euskirchen anderen Trägern überlassen und die Station vor Ort schließen", heißt es da. Doch für die Bonner Diakonie ist es eine echte Krisensituation: Sie hat, laut Kölnischer Rundschau, den diakonischen Spitzenverbund hinzugezogen, um über Auswege zu beraten. 

Außerdem gab es eine Pressekonferenz, an der nahezu alle führenden diakonischen Vertreter der Region teilnahmen: Die beiden Geschäftsführer der Diakonie für Bonn und Region, die beiden Diakonie-Sprecherinnen, die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, der mit dem Kirchenkreis Bonn Gesellschafter der Diakonie Bonn und Umgebung ist, und die Bereichsleiterin für Gesundheit und Pflege. 

Neun von 15 Vollzeitstellen bleiben künftig unbesetzt

Hintergrund der Schließung ist eine ungewöhnliche Kündigungswelle. Nach Angaben der Geschäftsleitung gingen die Kündigungen überwiegend im Dezember ein und werden nun zum 31. März wirksam. Von ursprünglich 15 Vollzeitstellen in der Pflege bleiben damit neun unbesetzt. Außerdem ist die Station seit Oktober ohne Pflegedienstleitung, auch die stellvertretende Leitung hat gekündigt. Versuche, die Positionen neu zu besetzen, waren erfolglos.

Nach Einschätzung der Diakonie ist der Betrieb unter diesen Bedingungen nicht mehr zulässig. "Wir erwarten in den nächsten Tagen den formellen Hinweis der Pflegekassen, dass die Voraussetzungen nach dem Sozialgesetzbuch XI nicht mehr erfüllt sind", sagte Geschäftsführer Tobias Köhler gegenüber der Kölnischen Rundschau. Der hinzugezogene diakonische Spitzenverband habe deshalb empfohlen, die Station zu schließen.

Noch gibt es keine Lösung für die fast 400 betroffenen Klienten  

Wer die betroffenen Pflegebedürftigen künftig versorgen wird, ist noch offen. Eine Übersicht freier Kapazitäten existiert nicht, da der Kreis für ambulante Dienste keine Zuständigkeit hat. Erste Anbieter haben jedoch Unterstützung signalisiert. Das ambulante Pflegeteam Stern aus Euskirchen meldete sich ebenso wie das Kreiskrankenhaus Mechernich, dessen Vivant-Gruppe auch einen Pflegedienst betreibt. Man prüfe, was möglich sei, heißt es dort, die Kapazitäten seien aber begrenzt.

Landrat Markus Ramers sprach von einem Alarmsignal für den Kreis Euskirchen. Die Schließung verunsichere rund 400 Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Zugleich zeige der Fall, wie fragil die ambulante Versorgung angesichts des Fachkräftemangels geworden ist. 

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