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8. November 2023 | 07:00 Uhr
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Jeder zweite Träger in der Sozialwirtschaft macht Verluste

Die wirtschaftliche Lage von Unternehmen in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft hat sich binnen eines Jahres drastisch verschlechtert. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen und Organisationen erwartet für dieses Jahr ein Defizit. Dies zeigt das dritte "Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft" der Sozialbank, das Vorstandschef Harald Schmitz (Foto) vorlegte. Hauptgründe für die Entwicklung sind der Personalmangel, Lohnsteigerungen und niedrige Belegung.

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Sozialbank-Chef Harald Schmitz beschreibt eine dramatische Entwicklung in der Pflege

Laut Trendbarometer erwarten 54 Prozent der Einrichtungen und Organisationen für 2023 ein negatives Jahresergebnis. Vor einem Jahr gingen nur 31 Prozent von einem Defizit aus. Fast die Hälfte hält die wirtschaftliche Situation ihres Unternehmens auch in den kommenden sechs Monaten für angespannt. Dieser Wert hat sich innerhalb nur eines Jahres mehr als verdreifacht.

Die befragten Unternehmen sehen im Fachkräftemangel, den Lohnkostensteigerungen und dem Belegungsrückgang aufgrund fehlenden Personals die wesentlichen wirtschaftlichen Herausforderungen in den kommenden zwölf Monaten. Wenn nicht genügend Fachkräfte vorhanden sind, können die Einrichtungen nicht alle verfügbaren Plätze belegen. Dies führt zu ungeplanten Ertragseinbußen.

Ohne Finanzierung Versorgung nicht aufrechtzuerhalten

"Die politischen Entscheidungsträger müssen endlich für eine angemessene Finanzierung der Leistungen sorgen", sagt Sozialbank-Chef Harald Schmitz. "Die soziale und gesundheitliche Versorgung kann sonst nicht aufrechterhalten und schon gar nicht weiterentwickelt werden." Auf lange Sicht führe der derzeitige Liquiditätsmangel zu fehlenden Rücklagen in der Zukunft. 

"Wenn die Einrichtungen nicht kostendeckend arbeiten können, wächst der schon jetzt gravierende Investitionsstau noch weiter an", sagt Susanne Leciejewski, die das Trendbarometer für die Sozialbank erstellt. "In der derzeitigen Situation können auf absehbare Zeit lediglich die notwendigsten Investitionen wie die Instandsetzung der Immobilien zur Aufrechterhaltung des Betriebs getätigt werden."

Notwendige energetische Sanierungen fallen hinten runter

"Für wichtige Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle fehlen sowohl das Geld als auch das Vertrauen der Investoren in die wirtschaftliche Stabilität der sozialen Unternehmen", so Leciejewski weiter. "Dringend notwendige energetische Sanierungen werden weiter verschoben, geplante Ankäufe und Übernahmen vieler Betreiber verzögern sich."

Für das Trendbarometer wurden bis Mitte Oktober 40 Branchenvertreter befragt, die mehr als 1.000 Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen repräsentieren. Interessenten können die Ergebnisse im Detail kostenlos von der Website der Sozialbank herunterladen.

Thomas Hartung

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