Neue Qualitätsregeln erhöhen Druck auf ambulante Pflege
Ab Juli 2026 gelten neue Qualitätsprüfungsrichtlinien (QPR) für ambulante Pflegedienste. Sie stellen personenbezogene Qualitätskriterien erstmals stärker in den Mittelpunkt und machen Ergebnisse öffentlich sichtbar. Fachleute erwarten vor allem beim Thema Mobilität und Sturzprävention deutlich höhere Anforderungen an Risikoerfassung, Maßnahmenplanung und Dokumentation.
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Mobilität wird stärker als bisher zum zentralen Qualitätsindikator in der ambulanten Pflege
Ein zentraler Prüfpunkt sei der Qualitätsaspekt 2.1 "Unterstützung im Bereich Mobilität", sagt die Ergotherapeutin Menia Ettrich, die als Mitarbeiterin des Sturz-App-Herstellers Lindera kontinuierlich in Austausch mit den Pflegekassen steht. Die Gutachter prüfen unter anderem, so Ettrich, ob Mobilitätseinschränkungen systematisch erfasst wurden, ob Maßnahmen zur Mobilitätsförderung geplant und durchgeführt werden und ob Risiken wie Stürze berücksichtigt sind. Auch die Anleitung im Umgang mit Hilfsmitteln gehöre dazu.
Der Expertenstandard Sturzprophylaxe spielt jetzt eine größere Rolle
Besonders die nachvollziehbare Dokumentation gewinne an Bedeutung, so Ettrich, in einem Beitrag auf der Website von Lindera. Pflegeleistungen müssten künftig stärker begründet, geplant und in ihrer Wirkung beschrieben werden. Selbst korrekt ausgeführte Prophylaxen etc. könnten schlechter bewertet werden, wenn die Dokumentation lückenhaft sei.
Die neuen Richtlinien verweisen ausdrücklich auf Expertenstandards, etwa zur Sturzprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Damit wird Mobilität stärker als bisher zum zentralen Qualitätsindikator in der ambulanten Pflege.
Kirsten Gaede