Stromausfall zeigt Fragilität der Pflegeheime
Der großflächige Stromausfall im Süden Berlins bei Temperaturen um null Grad hat einige Pflegeeinrichtungen an ihre Grenzen gebracht. Zwei Einrichtungen mussten evakuiert werden, Dutzende Heime waren zeitweise ohne reguläre Versorgung. Inzwischen sind fast alle Pflegeheime an Notstrom angeschlossen. Der Vorfall zeigt, wie abhängig die Altenpflege von funktionierender Energieversorgung ist – und wie begrenzt die Reserven vieler Einrichtungen sind.
iStock/Neil Bussey
In einem Pflegeheim in Zehlendorf verbrachten rund 300 Bewohner die Nacht in Kälte (Symbolbild)
Der Stromausfall im Süden Berlins hat die Verwundbarkeit der Pflegeinfrastruktur deutlich gemacht. Zwar konnten Krankenhäuser rasch auf Notstrom umstellen, doch in Pflegeheimen spitzte sich die Lage teils dramatisch zu. Zwei Einrichtungen mussten evakuiert werden. Betroffen waren ein Haus von Domicil in Berlin-Zehlendorf sowie eine Pflege-Wohngemeinschaft im Ortsteil Nikolassee.
Im Domicil-Haus Fürstenstraße unterstützten Mitarbeiter aus 15 weiteren Einrichtungen des Trägers die Evakuierung. Auch der kommunale Klinikbetreiber Vivantes meldete freie Kapazitäten und nahm Pflegebedürftige kurzfristig auf.
Auf einer Pressekonferenz Montagmittag (5. Januar) mit Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und zahlreichen Berliner Senatoren sagte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD), 64 von 74 Pflegeheimen seien mit Notstrom versorgt, die anderen zehn Einrichtungen sollten im Laufe des Tages folgen. Größere Verlegungen waren deshalb nicht nötig.
Eigene Notstromaggregate sichern den Betrieb meistens nur für kurze Zeit
Wie bedrückend die Situation dennoch war, zeigte sich im Pflegeheim Haus Luther am Teltower Damm. Rund 300 Bewohner verbrachten die Nacht von Sonnabend auf Sonntag ohne Strom, bei Kälte und eingeschränkter Wasserversorgung, wie die Berliner Lokalzeitung BZ berichtet. Pflegekräfte hätten den Betrieb mit großem Einsatz aufrechterhalten.
Andere Träger meldeten Entwarnung. Die Alloheim-Gruppe erklärte, eine betroffene Einrichtung sei seit Sonntagmittag wieder regulär versorgt worden, eine Evakuierung sei nicht nötig gewesen.
Der Berliner Blackout lenkt den Blick auf ein strukturelles Problem: Viele Pflegeheime verfügen zwar über Notstromaggregate, diese sichern den Betrieb jedoch meist nur für kurze Zeit. Eigenständige, längerfristige Energieversorgung ist die Ausnahme.
"Pflegeheime brauchen Zugang zu sicherer, im Notfall auch autarker Energieversorgung"
Ein Beispiel ist das DRK-Haus Ravensberg in Borgholzhausen (Nordrhein-Westfalen). Nach früheren Stromausfällen investierte die Einrichtung in Solarmodule, Batteriespeicher und ein Blockheizkraftwerk. Damit kann sie bis zu drei Tage vollständig autark arbeiten. Notstrom aus Kraftstoff kommt nur ergänzend zum Einsatz.
Thomas Knieling, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), sagt, der Berliner Stromausfall zeige, wie fragil die Strukturen seien. Pflegeeinrichtungen als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge bräuchten Zugang zu sicherer, im Notfall auch autarker Energieversorgung. Diese werde bislang nicht refinanziert. Das müsse sich ändern, um die Versorgung pflegebedürftiger Menschen auch in Krisen zu sichern.
Kirsten Gaede