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4. Juli 2024 | 22:07 Uhr
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Too little, too late – die Pflege muss digital neu denken

Nicht einmal jede zehnte Pflegeeinrichtung ist aktuell an die Telematikinfrastruktur angeschlossen, titelte Care vor9 dieser Tage. Die Zahl ist beschämend für eine Branche, die digitale Lösungen so dringend nötig hat, schreiben Steffen Hehner, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Digitalchef Tobias Dämlow von Alloheim Senioren Residenzen in einem Gastbeitrag. Beide Manager erkennen hinter dem Abwarten ein Muster – und das sei nicht die Reformunwilligkeit der Branche. 

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Man könnte so leicht das Lied der verschlafenen Pflege anstimmen: Die Träger haben die Digitalisierung verpennt und hinken (wieder einmal) Jahre anderen Branchen hinterher. Man bekäme sicherlich Beifall, wäre es doch ein Leichtes, alte Vorurteile zu bekräftigen und in die immer gleiche Kerbe zu schlagen. Doch wer sich die Mühe macht, hinter die Kulissen zu schauen, erkennt schnell das Kernproblem: Die Refinanzierung notwendiger Innovationen fehlt.

Digitale Lösungen können an vielen Stellen helfen

Potenzialträchtige Ansätze der Digitalisierung in der Altenpflege gibt es unzählige: Mit Wearables und Sensoren lässt sich der Gesundheitszustand von Senioren in Echtzeit überwachen, sodass Pflegekräfte sofort auf Veränderungen reagieren können. Assistive Technologien wie smarte Lautsprecher und sprachgesteuerte Geräte unterstützen Senioren im Alltag und fördern ihre Selbstständigkeit. Virtuelle Assistenten erinnern sie an die Einnahme von Medikamenten und helfen bei alltäglichen Aufgaben. Auch die Überwachung von Vitaldaten durch tragbare Geräte oder Sensorik hilft. Pflegekräfte werden sofort benachrichtigt, wenn Messwerte ungewöhnlich sind, sodass sie schnell eingreifen können.

Digitale Tools machen die Arbeit effizienter, indem sie die Erfassung von Patientendaten schneller und genauer gestalten. Pflegedokumentationen und die Verwaltung von Medikamenten lassen sich automatisieren, was Zeit spart und Fehler minimiert. Die Kommunikation zwischen Pflegekräften, Ärzten, Apotheken und Angehörigen verbessert sich durch mobile Apps und Kommunikationsplattformen deutlich. Dadurch wird die Pflege besser koordiniert und Notfälle können schneller behandelt werden.

Aufreibender Weg zur Einigung auf Bundesebene

Doch gerade für dieses zuletzt genannte digitale Ökosystem braucht es die Telematikinfrastruktur. Und da sind wir dann beim Thema Refinanzierung und dem oftmals langen und aufreibendem Weg dorthin. Erst nach zähem Ringen konnten sich nach Monaten der Verhandlung die Leistungserbringerverbände mit dem GKV-Spitzenverband auf Bundesebene auf eine TI-Finanzierungsvereinbarung einigen.

Wären diese Verhandlungen gescheitert, hätte die stationäre Pflege noch länger auf die dringend benötigte Infrastruktur gewartet. Während das E-Rezept bei vielen schon zum Alltag gehört hätte, würden Bewohnerinnen und Bewohner weiter ausharren und das, obwohl sie die am wenigsten mobilste und vulnerabelste Gruppe in der Gesellschaft sind. Und damit besonders auf smarte und digitale Lösungen angewiesen.

Was jetzt bei der Telematikinfrastruktur mühsam gelungen ist, muss uns in großem Stil für die notwendigen digitalen Innovationen in der Pflege gelingen. Es muss ein Ende haben, dass Start-ups, die herausragende und evidenzbasierte Verbesserungen durch digitale Tools erreichen, durch jahrelanges Klinkenputzen zermürbt werden. 

Mutiger innovative Lösungen refinanzieren

Betreiber, gemeinnützig wie privat, dürfen nicht mehr durch fehlende Refinanzierung daran gehindert werden, ihre Mitarbeitenden durch digitale Lösungen zu entlasten und damit auch den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Nur wenn wir mutiger digitale Lösungen refinanzieren, die in der Breite der Einrichtung skalierbar einsetzbar sind und den Pflegealltag verbessern, haben wir die Chance, die auf uns als Gesellschaft zurollende demografische und pflegerische Herausforderung zu stemmen.

Es ist Zeit loszulegen. Deswegen haben wir schon lange vorgearbeitet und unser Plan zur Implementierung in insgesamt 256 stationären Einrichtungen, 90 Standorten im betreuten Wohnen und 25 ambulanten Pflegediensten steht. Der Startschuss ist auch schon gefallen und wir haben damit begonnen, die für die Implementierung in den Standorten notwendigen Elektronischen Heilberufeausweise zu beantragen. Auf dieser Basis können wir im dritten Quartal die technische Anbindung der Standorte sowie die Schulung der Kolleginnen und Kollegen umsetzen.

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Steffen Hehner (links) ist seit Januar vergangenen Jahres CEO der Alloheim Senioren Residenzen SE und arbeitete zuvor über 20 Jahre als Unternehmensberater für McKinsey. Tobias Dämlow (rechts) ist Chief Digital Officer und kam 2017 zu Alloheim.

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