Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

19. Mai 2026 | 22:13 Uhr
Teilen
Mailen

Über 40 Prozent der Pflegekräfte mit ihren Chefs unzufrieden

Dass viele Pflegekräfte mit ihrem Beruf hadern, ist nicht neu. Doch mittlerweile sind mehr mit ihren Vorgesetzten unzufrieden, offenbart die jüngste Umfrage "Pflege, wie geht es dir?" des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) unter 3.000 Beschäftigten. Der Frust wächst über fehlende Beteiligung, mangelnde Transparenz und unzureichende Anerkennung, so DBfK-Präsidentin Vera Lux (Foto).

Lux Vera Präsidentin DBfK Foto Susanne Schmidt-Domine.jpg

Gute Führung macht den Unterschied, sagt BDfK-Präsidentin Vera Lux

Rund 43 Prozent der Pflegekräfte sind unzufrieden mit der Führung und dem Management in ihrem Bereich, 19 Prozent davon sogar "sehr unzufrieden". Der Anteil der Unzufriedenen ist seit der letzten Umfrage deutlich gestiegen. 2024 und 2025 lag er noch bei jeweils 34 Prozent. Negativ fallen hier vor allem die Wertschätzung durch den Arbeitgeber und die Arbeitsauslastung ins Gewicht.

Mit der Zusammenarbeit im Team ist hingegen die große Mehrheit der Pflegekräfte zufrieden. Auch die Arbeitszeiten und die Dienstplangestaltung werden eher positiv bewertet. Nur 18 Prozent bemängeln den kollegialen Zusammenhalt. "Das Problem ist also nicht primär das Kollegium, sondern Überlastung und mangelnde organisationale Anerkennung", folgern die Autoren der Umfrage.

Jeder Fünfte denkt an Arbeitgeberwechsel

Folglich steigt der Frust und auch die Bereitschaft, die Pflegeeinrichtung zu wechseln. 20 Prozent der Pflegefachkräfte haben in den letzten zwölf Monaten mehrmals wöchentlich oder sogar täglich darüber nachgedacht, den Arbeitgeber zu wechseln. 2025 waren es 18 Prozent und 2024 noch 17 Prozent. "Will man dem Mangel an Pflegefachpersonen begegnen, heißt es also nicht nur, neue Pflegefachfrauen und -männer auszubilden, sondern auch, diese Menschen dauerhaft im Job zu halten", sagt DBfK-Präsidentin Vera Lux.

Mit 16 Prozent haben zwar immer noch viele diesen Gedanken, aber dieser Wert bleibt mehr oder weniger konstant. "Die Ergebnisse zeigen sehr klar: Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen die Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen gebracht wird", glaubt Lux. Immerhin empfinden 83 Prozent der Umfrageteilnehmer ohne Führungsverantwortung ihren Beruf als sinnstiftend. 76 Prozent der Befragten sind zudem bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Unternehmer plagen Verluste und die Bürokratie

Die Unternehmer unter den Befragten sind indes mit anderen Herausforderungen beschäftigt. 87 Prozent von ihnen stöhnen über die Bürokratie, 80 Prozent nennen die Refinanzierung gestiegener Kosten, 71 Prozent bewegt der Ausbau der Digitalisierung und 67 Prozent treibt der Personalmangel um. 31 Prozent geben an, im vergangenen Jahr Verlust gemacht zu haben. Nur 43 Prozent sprechen von Gewinn.

Kein Wunder, dass nur 37 Prozent die Frage "Können die Unternehmen unter den gegebenen Umständen eine hohe Pflegequalität anbieten?" mit "ja" beantworten. 49 Prozent antworten "manchmal", elf Prozent sagen deutlich "nein". Dennoch stehen die Unternehmer zur Pflege. 68 Prozent würden den Beruf wieder ergreifen und 52 Prozent würden erneut ein Pflegeunternehmen gründen.

Die kompletten Ergebnisse der Umfrage "Pflege, wie geht es dir?" können kostenlos als PDF von der Website des DBfK heruntergeladen werden.

Thomas Hartung

Anzeige