Wie die Caritas Berlin sich ihren ambulanten Erfolg erklärt
Sie wussten, dass ihre ambulanten Dienste gut arbeiten, sagt die Chefin der Caritas Altenhilfe in Berlin, Bärbel Arwe (Foto). Überrascht war sie Ende Mai dennoch, als sie erfuhr: Die 16 Sozialstationen des Trägers, zu dem auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen, führen mit einer Durchschnittsnote von 1,04 das Qualitätsranking der 50 größten Pflegedienstträger in Deutschland an (wir berichteten). Care vor9 fragte die Geschäftsführerin nach dem Erfolgsrezept der Caritas.
Caritas Altenhilfe Berlin
Bei der Caritas in Berlin unterstützen Qualitätsbeauftragte die Pflegedienstleitungen der ambulanten Dienste, sagt Bärbel Arwe
Der Schlüssel liege in der Verbindung von guten Arbeitsbedingungen und hoher Pflegequalität, sagt Arwe. Doch was heißt "gute Arbeitsbedingungen"? Ein tarifgebundenes Gehalt, Entgegenkommen bei der Dienstplangestaltung, zum Beispiel. Ja, diese Aspekte, die jedem bei dem Stichwort einfallen, sind bei der Caritas Altenhilfe in Berlin gegeben. Aber es kommen Arbeitsbedingungen hinzu, die unmittelbar mit dem Thema Qualität zusammenhängen. Dinge wie Qualitätszirkel, Fortbildungen, ein monatlicher Jour fixe der Geschäftsführung mit den Einrichtungsleitungen – und eine Besonderheit: Die Caritas stellt ihren Pflegedienstleitungen zusätzliche Qualitätsbeauftragte zur Seite.
Jede ambulante Station wird von einem Qualitätsbeauftragten begleitet
"Wir haben uns gesagt, wenn wir so hohe Qualitätsansprüche haben, kann nicht alles bei einer Pflegedienstleitung verortet sein. Wir brauchen Qualitätsbeauftragte, die direkt mit in die Teams hineingehen – die auch die Mitarbeiter visitieren, die noch einmal in der Dokumentation schauen und prüfen, ob alles schlüssig ist. Das ist für uns ganz zentral", sagt Arwe. Jeder ambulanten Station wird eine Viertelstelle eines Qualitätsbeauftragten zugeteilt. Die Pflegekassen refinanzieren die Stellen allerdings nicht.
Hinzu kommt ein internes Qualitätssystem mit sogenannten "Masterplänen" für Führungskräfte. Sie funktionieren wie Checklisten für aktuelle Anforderungen und helfen etwa, neue Qualitätsvorgaben frühzeitig umzusetzen. Arwe nennt ein Beispiel: "Wir bereiten mit diesen Masterplänen auch unsere seit einer ganzen Zeit auf die neuen Qualitätsprüfungsrichtlinien vor, die jetzt inkrafttreten."
Die Caritas probiert mit Hilfe des PDCA-Zyklus viele Ideen aus
Ein weiterer Baustein ist eine konsequente Umsetzung des PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act). Neue Ideen werden zunächst in Pilotprojekten in zwei, drei Einrichtungen getestet, ausgewertet und bei Erfolg in die Breite getragen. Ein Beispiel: Als die Personalnot in einigen stationären Einrichtungen der Caritas groß war, haben die ambulanten Pflegeteams sie unterstützt.
"Das klingt zunächst nicht weiter aufregend, für die Mitarbeitenden war es das aber durchaus. Denn es besteht ein großer emotionaler und kultureller Unterschied zwischen vollstationär und ambulant. Es war deshalb eine große Herausforderung diese Teams zusammenzubringen, aber am Ende ein echter Erfolg. Es konnten Menschen glänzen, die vielleicht eher am Rand stehen, es entstanden neue Formen der Zusammenarbeit und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeitende", sagt die Sprecherin der Geschäftsführung.
Alle Vierteljahr gibt es Willkommenstage für die neuen Mitarbeiter
Großen Wert legt die Caritas außerdem auf die Unternehmenskultur. Neue Mitarbeiter werden zu vierteljährlichen Willkommenstagen eingeladen, an denen auch Arwe selbst teilnimmt. Dort geht es nicht nur um Organisation und Abläufe, sondern um Werte, Haltung und den Sinn der Arbeit. "Unser Leitsatz lautet: Wir begleiten Leben. Aber was genau das für unsere Organisation bedeutet, müssen wir natürlich erklären."
Es ist eine Binsenweisheit, die sich Geschäftsführungen aber nicht oft genug ins Bewusstsein rufen können, meint Arwe: Pflegekräfte wollten erleben, dass ihre Arbeit etwas bewirkt – Aufgabe des Trägers ist es, dafür die besten Voraussetzungen zu schaffen.
Kirsten Gaede