Wie Pflegeketten für mehr Privatinvestoren sorgen können
Die Pflegebranche braucht Kapital, doch es mangelt an Privatinvestoren. Ein Hebel könnte das sogenannte betreiberübergreifende Eigenbelegungsrecht für Immobilienkäufer sein. Pflegeimmobilienexperte Axel Schulz (Foto) sieht darin einen Weg, Investitionen in Pflegeheime attraktiver zu machen. Denn für Käufer würde das Modell mehr Versorgungssicherheit bedeuten. Es gab vor einigen Jahren bereits einen Anlauf. Die großen privaten Betreiber sollte den Faden jetzt wieder aufnehmen.
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Ein vernetztes System über Betreibergrenzen hinweg helfe Investoren zu gewinnen, ist Axel Schulz überzeugt
Private Investoren spielen eine zentrale Rolle bei der Finanzierung neuer Pflegeeinrichtungen und Häuser im betreuten Wohnen. Ohne dieses Kapital lassen sich die nötigen Kapazitäten kaum aufbauen. "Doch Investitionen entstehen nur dort, wo sie nachvollziehbar und sinnvoll erscheinen – wirtschaftlich und persönlich", sagt Schulz, Geschäftsführer von S&P Wirtschaftsdienst Immobilien.
Ein bekanntes Argument beim Verkauf von Pflegeimmobilien ist das Eigenbelegungsrecht: Käufer einer Einheit können diese im Bedarfsfall selbst nutzen oder das Recht an ihre Angehörige weitergeben. Das gilt aber nur innerhalb der jeweiligen Einrichtung oder eines Verbunds desselben Betreibers. Doch dieses Modell greift zu kurz, meint Schulz. Er plädiert für ein betreiberübergreifendes Eigenbelegungsrecht – also die Möglichkeit, das Belegungsrecht unabhängig vom ursprünglichen Standort auch bei anderen Betreibern einzulösen.
Der Vorteil liegt auf der Hand: mehr Flexibilität für Investoren. "Wer heute in eine Pflegeimmobilie investiert, denkt oft auch an die eigene Zukunft", sagt Schulz. Doch genau hier stoßen viele auf ein Problem: Die gewünschte Einrichtung, etwa am Wohnort oder in der Nähe der Familie, bietet häufig keine Kaufmöglichkeiten.
Die inzwischen insolvente Convivo-Kette hatte bereits einen Anlauf unternommen
Ein übergreifendes Modell könnte das ändern. Ein Investor könnte beispielsweise in einer anderen Stadt investieren und sich dennoch das Recht sichern, später in eine Einrichtung seiner Wahl ganz in der Nähe einzuziehen – sofern es dort Kapazitäten gibt. Auch ein späterer Wechsel, etwa in eine andere Stadt näher zu den Kindern, wäre denkbar. Angesichts langer Wartelisten in Pflegeheimen und betreuten Wohnformen gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Vielen Käufern gehe es längst nicht mehr nur um Rendite, sondern auch um persönliche Versorgungssicherheit.
Ein erster Anlauf für ein solches Modell habe es bereits gegeben, unter anderem mit Beteiligung des inzwischen insolventen Anbieters Convivo. Seitdem sei das Thema jedoch ins Stocken geraten, sagt Schulz. Er sieht jetzt vor allem die großen privaten Betreiber in der Pflicht: „Die Branche sollte das Thema wieder aufgreifen und gemeinsam Lösungen entwickeln.“ Ein vernetztes System über Betreibergrenzen hinweg helfe Investoren zu gewinnen und die Versorgung flexibler zu gestalten.
Kirsten Gaede