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13. Dezember 2021 | 07:00 Uhr
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Pflegeheime und Klinken müssen bei Ausbildung kooperieren

Die Zusammenlegung der Ausbildungsberufe für Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege Anfang vergangenen Jahres zur Pflegefachkraft hat das Gegenteil von dem bewirkt, was das Ziel der Reform war. Statt mehr gibt es weniger Azubis. Insbesondere Pflegedienste tun sich schwer, weil sie ihre Azubis auch ins Krankenhaus schicken müssen. Recruiting-Experte Jann Kaporse hält eine Kooperation von Pflegeheimen, Pflegediensten und Krankenhäusern für notwendig.

Auszubildende Foto iStock monkeybusinessimages.jpg

Die Ausbildungsreform zur Pflegefachkraft hat das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war

Am 1. Januar 2020 wurden die drei Ausbildungen der Pflegebereiche Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege durch die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ersetzt. Das Ziel der Zusammenführung war es, die Arbeit in der Pflege attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel der Branche zu mindern. Der Wechsel zwischen der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege sollte erleichtert werden.

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Insgesamt haben 53.610 Menschen zum Jahresende 2020 die zusammengeführte Ausbildung zum Pflegefachpersonal gemacht. Im Jahr zuvor waren es noch 71.271 in allen Ausbildungen zusammen, zeigt eine Analayse von Personalberater Jann Kaporse, Gründer des Recruiting-Spezialisten High Office IT. Die neue Ausbildung werde zu immer weniger Nachwuchs in der Pflegebranche führen. "Statt also die Branche zu stärken, wird sie auf diese Weise nur geschwächt", so Kaporse.

Viele mobile Pflegedienste seien nun nicht mehr in der Lage auszubilden, da sie die Anforderungen nicht erfüllen könnten. "Ihnen fehlen die Mitarbeiter, die die benötigten Kompetenzen für die Ausbildung mitbringen." Da die Auszubildenden auch einige Zeit im Krankenhaus verbringen müssten, um in der generalisierten Ausbildung alle Themen abzudecken, wollten auch Altenheime diese Ausbildung nicht anbieten. Ihr Nachwuchs würde schließlich weniger Zeit im Betrieb verbringen.

"Zudem haben viele Altenheime Angst, dass ihre Auszubildenden anschließend in den abwechslungsreichen Krankenhäusern bleiben möchten, zumal sie dort ein höheres Gehalt erwartet", glaubt der Personalexperte. "In diesen Fällen hätten die Altenheime umsonst Zeit und Geld in die Ausbildung einer Fachkraft gesteckt, die anschließend kein Interesse an der Ausbildungsstätte zeigt - daher bieten sie die Ausbildung lieber gar nicht erst an."

Da die Krankenhäuser aber ohnehin zu wenig ausbildeten, fehlten mit der neuen Ausbildung noch mehr Auszubildende und Fachkräfte am Markt. "So schafft die zusammengeführte Ausbildung mehr Probleme als Lösungen für die Pflegebranche", führt Kaporse aus.

Die Lösung sieht der Experten in Kooperation. "Prinzipiell muss man der Branche daher zu verstehen geben, dass die Pflege ohne Ausbildung nicht funktioniert. Die aktuellen Zahlen verraten, dass die Menge der Auszubildenden noch nicht einmal ausreicht, um die Mitarbeiter abzudecken, die jährlich in Rente gehen." Besonders Krankenhäuser müssten begreifen, dass sie mehr Leute ausbilden sollten, als sie selbst benötigten. Denn tun sie das nicht, werden sie in Zukunft sehr viel mehr Patienten aufnehmen müssen, da diese im Altenheim nicht mehr ausreichend versorgt werden können.

Auch ein Zusammenschluss der Ausbildungsstätten könne für die Zukunft sehr positive Auswirkungen haben. "So kann in einer Größenordnung ausgebildet werden, um auch den Altenheimen ausreichend Pflegekräfte zur Verfügung zu stellen." Zudem könne eine branchenübergreifende Onlinemarketing-Kampagne hilfreich sein, um die jüngere Zielgruppe zu erreichen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Ausbildung in ein positives Licht zu rücken,so Kaporse.

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