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11. August 2023 | 07:00 Uhr
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Warum Pflegeanbieter den TI-Anschluss jetzt angehen sollten

Die Datenautobahn des Gesundheitswesens rollt auf die Pflege zu. Zum Jahreswechsel geht es für ambulante Pflegedienste mit der Telematikinfrastruktur (TI) los, spätestens ab 1. Juli 2025 für stationäre Einrichtungen. Warum man mit der Anbindung jetzt schon starten sollte und ob eigene Hardware oder ein Servicepaket die bessere Lösung ist, erklärt Dan Lingenberg, Berater für TI-Lösungen bei Akquinet im Interview.

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TI-Konnektoren im Rechenzentrum von Akquinet

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Mit der TI-Anbindung erhalten Pflegeeinrichtungen neue Möglichkeiten der Kommunikation. Was bringt ihnen die digitale Vernetzung?

Der Anschluss an die Telematikinfrastruktur ähnelt im übertragenen Sinn dem Zugang zu einer Autobahn: der Datenautobahn des Gesundheitswesens. Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken, Krankenkassen und andere sind bereits an die TI angeschlossen und nutzen die auf der TI-Autobahn 'fahrenden' TI-Fachdienste als Transportwege. Der erste Dienst, den die Pflege schon jetzt nutzen kann, ist die Kommunikation im Medizinwesen, kurz: KIM. Diese Anwendung gleicht einem E-Mail-Programm. Pflegeeinrichtungen können mit Arztpraxen, Kliniken und Apotheken direkt Nachrichten und Dokumente austauschen. Perspektivisch kommen weitere TI-Anwendungen hinzu wie der Zugriff auf die elektronische Patientenakte oder das eRezept. Interessant ist hier sicher auch der elektronische Medikationsplan (eMP). Großen Nutzen für die Pflege verspricht sicher auch bald der TI-Messenger. Die Anwendung ermöglicht die sichere Echtzeit-Kommunikation im gesamten Gesundheitswesen. Pflegeeinrichtungen können dann beispielsweise mit Arztpraxen oder Physiotherapeuten einfach und sicher per Chat kommunizieren.

Wie kommt eine Pflegeeinrichtung auf die TI-Autobahn?

Über einen sogenannten TI-Konnektor. Das ist eine kleine Box, vergleichbar mit einem DSL-Router. Diese Box wird innerhalb der Einrichtung aufgestellt und dort mit dem Kartenterminal verbunden. Alternativ wendet man sich an einen Anbieter, der die TI als ein fertiges Servicemodell zur Miete anbietet. Das nennen Fachleute dann 'TI as a Service'. Hierbei steht der Konnektor nicht in der Pflegeeinrichtung, sondern in einem Rechenzentrum. Die Einrichtung baut eine sichere Verbindung zum Konnektor im Rechenzentrum auf und gelangt so in die TI.

Was ist besser, der Konnektor in der eigenen Einrichtung oder im Rechenzentrum?

Aus meiner Erfahrung und dem Kontakt zu vielen Pflegeeinrichtungen kann ich nur empfehlen, einen Konnektor und künftig ein TI-Gateway aus dem Rechenzentrum als fertige Serviceleistung  zu nutzen. Diese Variante ist nicht nur sicherer und technologisch zukunftsorientierter, sie ist für die Einrichtung auch einfacher und besser zu handeln. Denn sie muss sich nicht darum kümmern, welcher Konnektor der richtige ist, ob alle Updates erfolgt sind oder wie bei einem Ausfall ein neues Gerät beschafft wird. Der TI-Anbieter übernimmt diese Leistungen und sorgt dafür, dass die TI läuft. Mit diesem Ansatz haben wir bei Akquinet sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wenn eine Einrichtung selbst die TI einrichten will, braucht sie ja noch mehr als den TI-Konnektor. Was muss sie darüber hinaus anschaffen?

Das stimmt, der Einstieg in die TI ist tatsächlich nicht ganz einfach. Zunächst muss die Pflegeeinrichtung die elektronischen Heilberufsausweise (eHBA) für diejenigen Personen beantragen, die zur TI-Kommunikation berechtigt sein sollen. Achtung: hier mindestens acht Wochen Vorlauf einplanen. Anschließend bestellt die Pflegeeinrichtung die SMCB, das ist der elektronische Praxis- oder Institutionsausweis für die TI. Dafür benötigt sie die IK-Nummer, das Institutionskennzeichen für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen. Auch hier sind mehrere Wochen Vorlauf zu berücksichtigen. Dann muss sie noch den TI-Konnektor bestellen. Sobald alles vorliegt, geht es an die eigentliche Einrichtung der TI. An diesem Prozess wird deutlich: Die TI lässt sich nicht von heute auf morgen einrichten, Einrichtungen sollten dafür mindestens drei Monate einplanen. Bei Akquinet führen wir unsere Kunden durch diesen Anmeldedschungel und übernehmen das Bestellen der Karten.

Die meisten Pflegesoftwares verfügen schon über eine E-Mail-Funktion. Lassen sich dann darüber KIM-Nachrichten versenden?

Das hängt von der jeweiligen Pflegesoftware ab. Die meisten Anbieter haben die KIM-Funktion noch nicht umgesetzt. Informationen zu den TI-Potentialen von Branchensoftware finden Pflegeeinrichtungen auf dem Gematik-Portal TI-Score.

Für die Anbindung an die TI und den Betrieb fallen ja Kosten an, ob nun durch Anschaffung von Hardware oder das Buchen eines fertigen TI-Services. Welche Möglichkeiten der Refinanzierung haben Pflegeeinrichtungen?

Genaue Angaben zur TI-Förderung gibt es aktuell nicht, denn die Finanzierungshöhen werden zurzeit neu geregelt. Pflegeeinrichtungen können aber mindestens mit einer Refinanzierung des Anschaffungswertes und der Betriebskosten rechnen. Auch vor diesem Hintergrund der sicheren Refinanzierung rate ich dazu, sich schon jetzt mit dem Thema zu beschäftigen. Ab Herbst wird die Nachfrage nach TI-Lösungen steigen, was den Prozess der TI-Anbindung verlangsamt.

Lingenberg Dan Akquinet Berater.jpg

Dan Lingenberg arbeitet seit vielen Jahren bei Akquinet im Bereich Gesundheitswesen, Pflege & Reha tätig. Er berät Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur und der Nutzung der TI-Fachdienste. Akquinet mit Sitz in Hamburg ist ein IT-Unternehmen, das sich seit über 20 Jahren am Markt behauptet und rund 1.000 IT-Spezialisten beschäftigt. Ein Schwerpunkt von Akquinet ist die Digitalisierung der Gesundheits- und Sozialwirtschaft.

 

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