Judith Ebel – von der Kinderkrankenschwester zur Supernurse
Tausende Pflegekräfte lernen begeistert mit der Supernurse-App, Judith Ebel (Foto) hat sie erfunden und damit ein erfolgreiches Start-up aufgebaut. Im Gegensatz zu vielen anderen Gründern ist sie keine Tech-Expertin, sondern kommt selbst aus der Pflege. Als Kinderkrankenschwester hat Ebel ihren Traumberuf zielstrebig ergriffen. Kulinarisch freut sie sich auf die Spargelzeit und auf ihrer Bucket List steht eine Reise nach China, verrät sie im Care-vor9-Fragebogen "Persönlich".
Privat
Judith Ebel wollte schon als Zehnjährige Kinderkrankenschwester werden
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Schon als Zehnjährige wollte ich Kinderkrankenschwester werden. Das Gefühl, für andere da zu sein, hat mich damals motiviert. Heute ist die Pflege meine Passion und für mich immer noch der sinnstiftendste Beruf der Welt.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Als Kinderkrankenschwester habe ich zuerst im Intensivbereich gearbeitet und dort nach und nach die Einarbeitung neuer Kollegen übernommen. Weil mir das lebenslange Lernen und das gemeinsame Wachsen so viel Freude bereitet haben, habe ich anschließend Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft studiert. Als freiberufliche Beraterin bin ich dann zur Langzeitpflege gekommen.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Ich liebe den Austausch mit ganz unterschiedlichen Menschen und deren Perspektiven. Als pflegewissenschaftliche Beraterin habe ich immer das "Ohr am Gleis" und bekomme ungefiltert mit, was Pflegende im Alltag wirklich beschäftigt und wo ihre Needs liegen.
Was nervt Sie am meisten?
Mich nervt so oft, wie wenig organisiert wir als Berufsgruppe auftreten, obwohl wir die größte Profession Deutschlands sind.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich würde mehr und bewusster reisen. Neue Orte, neue Menschen, andere Kulturen, neue Eindrücke.
Wie schalten Sie ab?
Am besten durch Gartenarbeit. Das erdet mich wortwörtlich und bringt mich runter. Neue Energie und Kraft finde ich auch im Austausch mit Freunden, Kollegen und mit meiner Familie.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Zum Lesen komme ich tatsächlich, Fachliteratur ausgenommen, eher selten. Ein Buch, das mich zuletzt wirklich berührt hat, war: "Und alle so still" von Mareike Fallwickl. Es hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und macht eindrücklich sichtbar, wie essenziell und gleichzeitig oft unsichtbar Care-Arbeit ist.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
"Heldin" – der Film hat mich echt mitgenommen. Ich war dreimal drin. Er zeigt brutal ehrlich, was in Kliniken tagtäglich passiert: Personalmangel, Zeitdruck, strukturelle Überlastung. Gleichzeitig spürt man den Teamzusammenhalt, eine hohe Fachlichkeit und diese kleinen, zwischenmenschlichen Momente, die unseren Beruf so wertvoll machen.
Ihr Lieblingsessen?
Ich esse sehr gerne saisonal. Im Frühjahr freue ich mich auf die Spargelzeit und im Herbst auf das erste Blech Pflaumenkuchen.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Der Plan ist, mit der Familie China zu bereisen. Mehrere Kollegen, haben das Land wärmstens empfohlen und ich habe große Lust, die Kultur, die Menschen, das Gesundheitssystem, den digitalen Fortschritt dort und natürlich auch die Küche kennenzulernen.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Das ist eine gute Frage. Da musste ich etwas länger darüber nachdenken. Tatsächlich hätte ich es spannend gefunden, Agnes Karll einmal zu treffen. Die Reformerin der deutschen Krankenpflege und Präsidentin des International Council of Nurses hat früh dafür gekämpft, dass Pflege als eigenständiger, professioneller Beruf anerkannt wird. Ich würde sie gerne fragen, wie sie heute auf unsere Herausforderungen schauen und was sie uns raten würde.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, meinen Lebensabend in einem Mehrgenerationenhaus oder in einem lebendigen Quartier zu verbringen. Hauptsache nah an Menschen, die mir wichtig sind und gerne am Meer.
Judith Ebel ist Gründerin und Geschäftsführerin der Lernplattform Supernurse. Die examinierte Kinderkrankenschwester und Pflegepädagogin hat zudem den Verein Care for Innovation mitgegründet, dessen Vorsitzende sie ist. Care for Innovation unterstützt Start-ups und will die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Darüber hinaus engagiert sich Judith Ebel ehrenamtlich als Expertin und Beirätin in verschiedenen Projekten.