Diakonie Schaumburger Land in Schieflage
Zwei Gesellschaften der Diakonie Schaumburger Land stehen wirtschaftlich unter Druck: das Seniorenquartier Josua in Stadthagen und der Sonnenhof in Obernkirchen, beide zwischen Hannover und Minden gelegen. Interimsgeschäftsführer Bernhard Pammer (Foto), seit Sommer 2025 im Amt, musste bereits eine drastische Entscheidung treffen, um die Liquidität zu sichern.
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Interimsgeschäftsführer Pammer hat das Weihnachtsgeld gestrichen, um die Liquidität zu sichern
Böses Erwachen für Bernhard Pammer: Der 66-Jährige ist eingesprungen, weil der eigentliche Geschäftsführer wegen Krankheit ausfiel (und immer noch ausfällt). Damit ist er jetzt für die Diakonie Schaumburger Land und deren Gesellschaften verantwortlich. Der frühere Agaplesion-Manager, seit Mai offiziell im Ruhestand, arbeitet seither definitiv mehr als die mit der Diakonie vereinbarten drei Tage. Als er übernahm, war von akuten finanziellen Problemen noch keine Rede. "Dass sich die wirtschaftliche Lage so dramatisch entwickeln würde, war damals nicht absehbar gewesen", sagt Pammer gegenüber Care vor9.
Pammer musste das Weihnachtsgeld streichen
Erst im November stellte sich heraus, dass zwei Einrichtungen akut insolvenzgefährdet sind, das Seniorenquartier Josua in Stadthagen und der Sonnenhof in Obernkirchen im Landkreis Schaumburg. Um eine unmittelbare Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, griff die Geschäftsführung zu einem drastischen Schritt: Das Weihnachtsgeld wurde nicht ausgezahlt. "Das war nicht im Sinne der Mitarbeitenden und Mitarbeitervertretungen, aber die einzige Möglichkeit, eine drohende Insolvenz abzuwenden", sagt Pammer. Die Entscheidung rief erwartungsgemäß Unruhe hervor. In der Berichterstattung in der Lokalpresse, die sich auf ein internes Papier berief, seien aber nicht alle Zusammenhänge korrekt dargestellt worden, so der Interimsgeschäftsführer, der zehn Jahre bei Agaplesion Hauptgeschäftsführer für Wohnen und Pflegen in Süddeutschland war.
Es gab in der Vergangenheit auch "handwerkliche Fehler"
Als zentrale Ursachen der Schieflage nennt Pammer unter anderem den hohen Einsatz von Leiharbeit, deren Kosten nur teilweise refinanziert werden konnten. So seien zusätzliche Belastungen im sechsstelligen Bereich entstanden. Hinzu kämen "handwerkliche Fehler": Steigende Mietaufwendungen seien nicht in die Verhandlungen über die Investitionskostensätze mit den Sozialhilfeträgern eingebracht worden.
Nun gehe es darum, beide Einrichtungen wieder zu stabilisieren. "Ich versuche, sie mit Ruhe und Unaufgeregtheit auf einen guten Weg zu bringen", sagt Pammer. Die Anträge auf Erhöhung der Investitionskosten sind gestellt. Außerdem gehe es jetzt darum, den Personalüberhang "zeitnah abzubauen".
Kirsten Gaede