Sachsen-Anhalts Regierung lehnt Pflegekammer ab
Die Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP in Sachsen-Anhalt hat die Beratung einer Petition zur Gründung einer Pflegekammer kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Der Landespflegerat warnt: Bis 2035 würde 24.000 Pflegefachpersonen im Land fehlen. Eine Kammer könne eine verlässliche Datengrundlage schaffen, um den Bedarf besser zu steuern. Das zeige sich in Nordrhein-Westfalen, wo es eine pflegerische Selbstverwaltung gebe, sagt die Vorsitzende Kathleen Holotiuk (Foto).
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Mit einer Pflegekammer gäbe es auch eine geregelte Berufsaufsicht, sagt Kathleen Holotiuk
Sachsen-Anhalt habe das höchste Durchschnittsalter in Deutschland und verlässliche Daten für eine Prognose der künftigen Versorgungssituation gebe es bislang nicht. Eine Pflegekammer könne eine verbindliche Registrierung aller Pflegefachpersonen aufbauen, argumentiert Holotiuk. "Damit würde erstmals eine belastbare Datenbasis entstehen: Wie viele Pflegekräfte arbeiten in welcher Region? In welchen Altersgruppen? Mit welchen Qualifikationen? Und wie viele werden in den kommenden Jahren ausscheiden?"
Auch mit Blick auf Krisen- und Katastrophenfälle sieht der Landespflegerat eine Lücke. Ohne strukturierte Registrierung bleibe offen, wie qualifizierte Pflegefachpersonen koordiniert eingesetzt werden sollen. "Ein weiterer Vorteil der Pflegekammer ist, dass sie für Pflegefachkräfte Qualitätsstandards verbindlich definiert und kontrolliert", sagt Holotiuk.
Der Landespflegerat fordert die Wiederaufnahme der Debatte im Sozialausschuss des Landtags. Mehr als 1.500 Pflegefachkräfte und Bürger sowie neun Pflegeverbände unterstützten das Anliegen des Landespflegerats.