Gehaltsvorsprung für Führungskräfte in der Pflege schrumpft
83.000 Euro verdient eine Einrichtungsleitung im Durchschnitt in der Altenpflege. Das klingt zunächst gut. Wenn man aber betrachtet, wie sich die Gehälter in der Pflege seit 2020 entwickelt haben, relativiert sich das Bild. Während Pflegefachkräfte heute fast 40 Prozent mehr verdienen, legten die Gehälter in Leitungspositionen um 33 Prozent zu. Der Gehaltsvorsprung der Führungskräfte ist damit geschrumpft, zeigt eine Analyse des Personalberaters Rehsearch.
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Führungskräfte sind wertvoll, denn viele Fachkräfte schrecken vor der Arbeitsbelastung und Verantwortung zurück
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den einzelnen Karriereschritten. Eine Wohnbereichsleitung (WBL) verdiente 2020 im Schnitt 41.729 Euro im Jahr, eine Pflegedienstleitung (PDL) 49.645 Euro – der Aufstieg brachte damit 19 Prozent mehr Gehalt. Heute liegen die Vergleichswerte bei 62.351 und 66.343 Euro. Der finanzielle Aufschlag für den Schritt zur Pflegedienstleitung ist auf nur noch 6,4 Prozent zusammengeschmolzen.
Auch der Sprung an die Spitze lohnt sich finanziell weniger als früher. Einrichtungsleitungen kommen laut Rehsearch aktuell auf durchschnittlich 83.157 Euro im Jahr. Das sind 25,3 Prozent mehr als die 66.343 Euro einer Pflegedienstleitung. 2020 brachte dieser Karriereschritt noch einen Gehaltsaufschlag von 36,2 Prozent. Anders sieht es bei Wohnbereichsleitungen aus: Ihr Abstand zur Pflegefachkraft hat sich von 9,6 auf 17,1 Prozent vergrößert.
Führungsaufschlag um 6,5 Prozent gesunken
Insgesamt stiegen die Gehälter der drei untersuchten Führungsebenen seit 2020 um durchschnittlich 33,3 Prozent. Pflegefachkräfte legten dagegen um 39,8 Prozent zu: Ihr Jahresgehalt erhöhte sich von 38.088 auf 53.256 Euro. Der von Rehsearch errechnete durchschnittliche Führungsaufschlag beträgt heute 32,6 Prozent, 2020 waren es noch 39,1 Prozent.
Dabei ist die Verantwortung der Führungskräfte nicht geringer geworden. Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen tragen Verantwortung für Personal, Qualität, Organisation und wirtschaftliche Ergebnisse. Hinzu kommen Belastungen, die nach Ansicht von Rehsearch-Geschäftsführer Jens Bracht in der Debatte über angemessene Pflegegehälter zu wenig vorkommen. "In der öffentlichen Diskussion geht es immer um die Pflegefachkräfte, angemessene Gehälter für die Führungskräfte werden kaum thematisiert", sagt Bracht. In der Altenpflege komme als besondere Belastung etwa die häufige Erreichbarkeit am Wochenende und im Urlaub hinzu.
Nur 14 Prozent der Fachkräfte wären gern Führungskraft
Dass Geld für die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung eine Rolle spielt, zeigt auch eine von Rehsearch herangezogene Kofa-Studie (Kofa steht für das vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragten Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung). Nur 14 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung können sich demnach klar vorstellen, eine Führungsrolle zu übernehmen. Weitere 40 Prozent wären dazu unter bestimmten Voraussetzungen bereit. Als Hürden werden vor allem Arbeitsbelastung, Verantwortung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. Zugleich betrachten 95 Prozent der Führungsinteressierten ein höheres Gehalt als Anreiz.
Ob die Gehaltsabstände deshalb "ungerecht" sind, will Rehsearch ausdrücklich nicht beurteilen. Einen wissenschaftlich belastbaren Prozentsatz dafür, wie viel zusätzliche Verantwortung wert sein müsste, gebe es nicht. Die Analyse wirft aber die Frage auf, ob der schrumpfende finanzielle Abstand noch zur zusätzlichen Belastung und Verantwortung passt.
Rehsearch ist seit 2015 auf die Vermittlung von Führungskräften in der Altenpflege spezialisiert. Die Gehaltsangaben für Pflegedienst- und Einrichtungsleitungen beruhen auf die von dem Personaldienstleister begleiteten Besetzungsprozessen, die Werte für Wohnbereichsleitungen sind modelliert. Die Daten sind damit Orientierungswerte und keine repräsentative Gehaltsstatistik.
Die Gehaltsanalyse "Sind Führungskräfte-Gehälter in der Altenpflege gerecht?" steht auf der Website von Rehsesarch zum Download bereit.