News für das Pflegemanagement

Pflege drängt auf schnelle und einheitliche Anerkennungsverfahren

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will die Anerkennung ausländischer Abschlüsse für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hebammen vereinfachen. Die Pflege fehlt in seinen Plänen. Die Verbände VDAB und AGVP fordern, die Branche einzubeziehen. Schließlich kommt bereits jede fünfte beschäftigte Pflegefachperson aus dem Ausland. Bremen setzt derweil auf ein eigenes Welcome Center.

Dokumente auf Englisch, digitale Verfahren und bundesweit einheitliche Vorgaben: Damit will Carsten Linnemann die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Gesundheitswesen beschleunigen. Die geplante Verordnung nennt Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hebammen. Pflegefachkräfte kommen darin nicht vor.

Das ruft die Pflegeverbände auf den Plan. „Was für Ärztinnen und Ärzte gilt, muss auch für die Pflege gelten“, fordert Thomas Knieling vom Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB). Die Bundesregierung dürfe die angekündigte Beschleunigung nicht auf Heilberufe im engeren Sinne begrenzen, sondern müsse die Pflege ausdrücklich mitdenken.

Jede fünfte Pflegefachperson kommt aus dem Ausland

Die Größenordnung ist erheblich. Nach Angaben des VDAB arbeiten inzwischen rund 350.000 ausländische Pflegekräfte in Deutschland. Laut Bundesagentur für Arbeit hat mittlerweile jede fünfte Pflegefachkraft einen ausländischen Pass.

Allein innerhalb eines Jahres stieg die Zahl ausländischer Beschäftigter in der Pflege um 46.000. Mit rund 32.000 Anerkennungen war der Beruf Pflegefachfrau beziehungsweise Pflegefachmann 2025 laut Statistischem Bundesamt zudem erneut der mit Abstand am häufigsten anerkannte ausländische Berufsabschluss.

Trotzdem dauern Visum und Anerkennung nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands Pflege (AGVP) häufig zu lange. Geschäftsführerin Isabell Halletz kritisiert uneinheitliche Verfahren und fehlendes Personal in Botschaften und Behörden. Der Verband fordert ein bundesweit abgestimmtes Anerkennungsverfahren mit einheitlichen Vorgaben für Unterlagen und digital unterstützten Abläufen. „Wir brauchen die qualifizierten Pflegefachpersonen nicht im Behörden-Wartezimmer, sondern vor Ort in der Versorgung“, sagt Halletz.

Bremen unterstützt Fachkräfte beim Ankommen

Dass Anerkennung allein nicht reicht, zeigt ein neues Angebot in Bremen. Der Senat hat Anfang September ein Welcome Center für internationale Pflegefachkräfte beschlossen. Für das Pilotprojekt stehen bis Ende 2027 rund 580.000 Euro bereit.

Das Center soll noch 2026 starten und internationale Pflegefachkräfte von der Anerkennung bis zum Ankommen in Bremen begleiten. Dazu gehören Hilfe bei Visafragen sowie bei der Suche nach Wohnung und Kitaplatz oder bei der Eröffnung eines Bankkontos. Das Angebot richtet sich an zuwandernde und bereits zugewanderte Pflegefachkräfte.

Umgesetzt wird das Projekt vom Paritätischen Bildungswerk und der Bremischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz. Die Ergebnisse sollen Grundlage für eine mögliche Ausweitung auf weitere Gesundheitsberufe sein.

Baden-Württemberg hat bereits ein ähnliches Angebot

Auch Baden-Württemberg setzt auf eine zentrale Anlaufstelle. Das Welcome Center Sozialwirtschaft Baden-Württemberg ist für Pflege, Gesundheit und Bildung zuständig. Es berät unter anderem zu Einreise und Aufenthalt, Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Sprachförderung und Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt.

Für VDAB und AGVP liegt der Hebel dennoch vor allem bei den Verfahren selbst. Sie fordern, Anerkennung schneller, digitaler und bundesweit einheitlich zu organisieren.