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13. August 2026 | 07:00 Uhr
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Pflegeheime improvisieren gegen die Hitze

Fast sechs von zehn Pflegeeinrichtungen sagen, dass ihnen Geld für wirksamen Hitzeschutz fehlt. Dabei wird es oftmals bedenklich warm, wie die Care-vor9-Umfrage zum Thema Hitze zeigt: In 30 Prozent der Häuser steigen die Temperaturen in Bewohnerzimmern bei großer Hitze auf über 30 Grad. Klimaanlagen sind mit elf Prozent noch die Ausnahme. Die Einrichtungen reagieren mit Kälteinseln, Lüftungsplänen, Kühlhandtüchern, Fußbädern und angepassten Speiseplänen. Viele wollen nachrüsten – doch die Finanzierung ist schwierig.

Die Pflegeheime lassen sich einiges einfallen, um den Bewohnern Abkühlung zu verschaffen 

Die Bereitschaft, mehr für den Hitzeschutz zu tun, ist groß. Das Geld dafür fehlt häufig. 58 Prozent der Teilnehmer einer Care-vor9-Umfrage mit 140 Rückmeldungen nennen fehlende finanzielle Mittel als Hinderungsgrund. Bei 30 Prozent blockiert der Eigentümer Investitionen. Nur knapp acht Prozent sehen überhaupt keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.

Doch der Bedarf ist vorhanden. Wenn die Außentemperaturen Richtung 40 Grad steigen, bleiben die Bewohnerzimmer nur in knapp acht Prozent der Einrichtungen unter 25 Grad. Bei 63 Prozent werden zwischen 25 und 30 Grad erreicht, in 30 Prozent sogar mehr als 30 Grad. Besonders betroffen sind häufig obere Etagen sowie Zimmer auf der Süd- und Ostseite.

So bewerten auch 68 Prozent die Lage in ihrer Einrichtung als angespannt, weitere acht Prozent sogar als kritisch. Entspannt sieht sie knapp ein Viertel.

Das wichtigste Mittel kostet fast nichts – ist aber schwer durchzusetzen

Dabei zeigen die Antworten auch, dass Hitzeschutz nicht erst mit einer Klimaanlage beginnt. Fast durchgängig genannt wird ein konsequentes Lüftungs- und Verschattungskonzept: nachts und frühmorgens möglichst viel kühle Luft ins Gebäude holen, anschließend Fenster schließen und Rollläden oder Jalousien herunterlassen.

Das klingt einfach, ist im Heimalltag aber offenbar eine Herausforderung. "Konsequentes Fenster SCHLIESSEN ist das Wichtigste", schreibt ein Teilnehmer. Das müsse kontrolliert werden, "sonst wird das nichts". Mehrere Einrichtungen berichten, dass Bewohner Fenster oder Rollläden tagsüber wieder öffnen. Eine Einrichtung spricht von fast stündlichen Rundgängen, um Türen und Fenster immer wieder zu schließen.

Mitarbeiterschulungen werden deshalb oft als entscheidend bezeichnet. Alle Berufsgruppen müssten wissen, wann gelüftet, verschattet und auf gesundheitliche Veränderungen reagiert werden muss. Gleichzeitig gelte es, die Selbstbestimmung der Bewohner zu respektieren und immer wieder zu erklären, warum diese Schritte notwendig sind.

Kälteinseln statt Vollklimatisierung

Nur elf Prozent der Befragten haben eine Klimaanlage in ihrer Einrichtung. Einige haben zumindest einzelne Aufenthaltsräume, Speisesäle oder Flure klimatisiert und nutzen sie als "Kälteinseln" oder "Kühloasen". Andere halten einen besonders kühlen Notfallraum bereit oder setzen mobile Klimageräte ein.

Dass solche Räume helfen können, zeigen mehrere Kommentare. Allerdings stößt das Konzept schnell an Grenzen. Eine Einrichtung ist von ihrem Träger zwar aufgefordert, "Entwärmungsräume" anzubieten, bemängelt aber, dass sich kaum 80 Bewohner in einem 20 Quadratmeter großen Raum abkühlen lassen.

Ein vollständig klimatisiertes Haus berichtet dagegen von deutlichen Vorteilen nicht nur für die Bewohner. Auch die Mitarbeiter würden körperlich entlastet und könnten unter stabileren Raumtemperaturen zuverlässiger arbeiten. Gleichzeitig warnt die Einrichtung davor, Klimatisierung als alleinige Lösung zu betrachten. Auch mit Technik blieben Beobachtung, individuelle Risikoeinschätzung, Vitalzeichenkontrolle und pflegerische Begleitung notwendig.

Fußbäder, Wassereis und gekühlte Handtücher

Bei den kleineren Maßnahmen zeigt sich in der Umfrage viel Einfallsreichtum. Angeboten werden zusätzlich Getränke und Trinkstationen, Wassermelone, Wassereis und leichte Sommergerichte. Aktivitäten finden in die Morgenstunden statt oder in kühleren Bereichen des Hauses.

Weitere Mittel, die Teilnehmer nennen: kalte Fußbäder, Kneipp-Güsse, Kühlpads, feuchte Waschlappen und im Kühlschrank gelagerte Frotteetücher für Gesicht, Nacken und Arme. Einige Einrichtungen verwenden Wasserzerstäuber, andere stellen Ventilatoren oder mobile Klimageräte auf. Sonnenschutzfolien werden ebenfalls erprobt; einzelne Teilnehmer berichten damit bereits von spürbar niedrigeren Raumtemperaturen.

Mehr als jede dritte Einrichtung plant Klimaanlagen

Trotz mancher Erfolge mit improvisierten und organisatorischen Lösungen wollen viele Einrichtungen technisch nachrüsten. 36 Prozent planen eine Klimaanlage oder zusätzliche Klimatechnik, weitere 31 Prozent Investitionen in Verschattung oder Dämmung. Nur elf Prozent planen keine neuen Maßnahmen.

Doch genau hier beginnt das Finanzierungsproblem. Mehrere Teilnehmer berichten, dass größere Klimatisierungen Investitionen im hohen sechs- oder sogar siebenstelligen Bereich erfordern würden. Hinzu kommen dauerhaft höhere Energiekosten.

Solche Ausgaben müssten über Investitionskosten beziehungsweise Pflegesatzverhandlungen refinanziert werden. Ob die Kostenträger die zusätzlichen Belastungen anerkennen, bezweifeln viele Teilnehmer. "Woher nehmen, wenn es nicht verhandelt werden kann?", bringt es einer auf den Punkt. Ein anderer schreibt, Hitzeschutz lasse sich in der stationären Langzeitpflege derzeit kaum refinanzieren, sodass nur das Nötigste umgesetzt werden könne.

Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation vieler Einrichtungen und die Diskussion über mögliche Einschnitte bei der Refinanzierung von Lohnsteigerungen verschärfen die Zurückhaltung. Manche Einrichtungen prüfen deshalb sehr genau, welche Investition den größten Nutzen bringt. Ein Teilnehmer hält etwa eine komplette Fassadendämmung für unwirtschaftlich und setzt stattdessen auf Dachsanierung und Solaranlage: Entscheidend sei, "welcher investierte Euro den besten ROI, Return on Investment, für die Nachhaltigkeit ergibt".

Kirsten Gaede

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