RKI korrigiert Zahl der Hitzetoten deutlich nach oben
Das Robert Koch-Institut (Foto) in Berlin schätzt die Zahl der Hitzetoten in Deutschland bis Ende Juli inzwischen auf rund 11.900. Allein auf die extreme Hitze Ende Juni entfallen etwa 9.600 Todesfälle – deutlich mehr als zunächst angenommen. Der starke Anstieg wird erst jetzt sichtbar, weil belastbare Sterbedaten aus den Bundesländern mit mehreren Wochen Verzögerung eingetroffen sind. Besonders folgenreich war die Woche vom 22. bis 28. Juni.
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Das Robert Koch-Institut in Berlin-Wedding
Auf die außergewöhnlich heiße Phase Ende Juni führt das Robert Koch-Institut (RKI) rund 9.600 Todesfälle zurück. Die bundesweite Wochenmitteltemperatur lag damals bei 26,4 Grad und damit weit über der Schwelle von etwa 20 Grad, ab der ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit sichtbar wird.
Dass die Zahl erst jetzt so stark steigt, erklärt das Institut mit der verzögerten Datenlage. Die bundeslandspezifischen Sterbezahlen des Statistischen Bundesamtes liegen erst nach rund fünf Wochen vollständig vor. Hinzu kommt, dass Temperaturen in dieser Größenordnung in Deutschland bisher kaum vorkamen und deshalb zunächst nur begrenzt in die Schätzungen einflossen.
Hitzetote werden statistisch berechnet
Nur selten ist auf einem Totenschein eindeutig ein Hitzschlag als Todesursache vermerkt, heißt es beim RKI. Meist führt erst das Zusammenspiel aus großer Hitze und bestehenden Vorerkrankungen zum Tod, etwa bei Herzkreislaufleiden, Atemwegserkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion.
Das RKI berechnet die Zahl der Hitzetoten deshalb statistisch. Grundlage sind die Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes sowie Temperaturdaten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes. Das Modell vergleicht die tatsächlich beobachtete Sterblichkeit mit der Zahl der Todesfälle, die ohne extreme Hitze zu erwarten gewesen wäre. Die Differenz gilt als geschätzte hitzebedingte Sterblichkeit.
Die Übersterblichkeit wird für den bisherigen Sommer auf rund 14.600 Todesfälle geschätzt. Sie ist damit höher als die Zahl der Hitzetoten, weil Übersterblichkeit auch andere Ursachen umfassen kann.
Neun von zehn Toten mindestens 65 Jahre alt
Den größten Anteil der hitzebedingten Todesfälle verzeichnet das RKI weiterhin bei älteren Menschen. Rund 6.000 Verstorbene waren 85 Jahre oder älter. Knapp 3.000 gehörten zur Altersgruppe von 75 bis 84 Jahren, knapp 1.800 waren zwischen 65 und 74 Jahre alt. Bei den unter 65-Jährigen werden gut 1.100 Hitzetote geschätzt. Damit waren rund neun von zehn Betroffenen mindestens 65 Jahre alt.
Die zuvor von Care vor9 berichteten Zahlen zur Übersterblichkeit in Pflegeeinrichtungen wurden vom RKI bislang nicht aktualisiert. Für die Hitzewoche Ende Juni war von rund 6.000 Todesfällen in Alten- und Pflegeheimen ausgegangen worden – etwa 1.800 mehr als statistisch erwartet. Ob auch diese Zahl nachträglich steigen wird, lässt sich aus dem aktuellen Bericht nicht ablesen.