Pflegende in Baden-Württemberg verdienen oft über 5.000 Euro
Pflegefachkräfte verdienen in Baden-Württemberg so gut wie in keinem anderen Bundesland. Das Medianentgelt liegt inzwischen bei 4.732 Euro brutto. Auch Altenpflegefachkräfte kommen laut Bundesagentur für Arbeit auf 4.614 Euro. Wie schnell tatsächlich mehr als 5.000 Euro im Monat zusammenkommen können, zeigt der Gehaltsrechner der Städtischen Pflegeheime Esslingen: Dort erreicht selbst eine Pflegefachkraft ohne Leitungsfunktion mit sechs Jahren Berufserfahrung bereits gut 5.300 Euro im Monatsdurchschnitt.
Jens Schünemann
Eine Wohnbereichsleitung mit kleinem Team und sechs Jahren Berufserfahrung kann bei einem kommunalen Träger auf ein Jahreseinkommen von 71.000 Euro kommen
Die Gehälter in der Pflege haben in Baden-Württemberg in den vergangenen zehn Jahren kräftig zugelegt. Eine Auswertung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, über die der SWR berichtete, weist für vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Pflegeberufen 2025 ein Medianentgelt von 4.732 Euro brutto im Monat aus. Das sind 47 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Damit liegt die Pflege inzwischen fast auf dem Niveau klassischer Industrieberufe: In Maschinenbau und Betriebstechnik beträgt der Median 4.833 Euro, in der Metallbearbeitung 4.607 Euro.
Beim Median verdient jeweils die Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger. Anders als beim Durchschnitt können einzelne besonders hohe Gehälter den Wert also nicht stark nach oben ziehen.
Altenpflege liegt nur wenig unter dem Pflege-Median
Bei den 4.732 Euro könnte zunächst der Eindruck entstehen, der hohe Wert gehe vor allem auf Beschäftigte in Kliniken zurück – etwa auf Pflegefachkräfte mit Weiterbildungen oder zusätzlichen Zulagen, die es etwa für die Arbeit auf Intensivstation und in der Notaufnahme gibt. Die gesonderte Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit spricht dagegen: Altenpflegefachkräfte kommen in Baden-Württemberg auf ein Medianentgelt von 4.614 Euro. Das ist zwar etwas weniger als in den Pflegeberufen insgesamt, aber mehr als der bundesweite Altenpflege-Median von 4.438 Euro. Baden-Württemberg belegt damit den Spitzenplatz.
Und selbst die 4.614 Euro bilden nur die Mitte der Gehaltsverteilung ab. Was bei einem gut zahlenden Arbeitgeber tatsächlich möglich ist, lässt sich ungewöhnlich detailliert beim kommunalen Eigenbetrieb Städtische Pflegeheime Esslingen nachvollziehen. Dessen Gehaltsrechner berücksichtigt nicht nur Berufsjahre und Funktion, sondern weist neben dem Grundgehalt auch beispielhafte Zuschläge, Jahressonderzahlungen und Leistungsprämie aus.
71.000 Euro für eine Wohnbereichsleitung mit kleinem Team
Eine Pflegefachkraft ohne Leitungsfunktion und besondere Zusatzaufgaben kommt dort nach sechs Berufsjahren einschließlich der ausgewiesenen Zuschläge und Sonderzahlungen auf rund 63.400 Euro brutto im Jahr. Auf zwölf Monate umgerechnet sind das mehr als 5.300 Euro monatlich. Nach 15 Berufsjahren sind es knapp 69.000 Euro beziehungsweise rund 5.750 Euro im Monatsdurchschnitt.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei Führungsaufgaben. Eine Wohnbereichsleitung für ein kleines Team mit sechs Jahren Berufserfahrung erreicht nach den Angaben des Rechners rund 71.000 Euro jährlich oder gut 5.900 Euro im Monatsdurchschnitt. Bei der Leitung eines mittelgroßen Teams sind es einschließlich der ausgewiesenen Sonderzahlungen knapp 77.000 Euro im Jahr, also gut 6.400 Euro monatlich.
Die Beispiele sind allerdings nicht mit dem Medianentgelt der Bundesagentur eins zu eins vergleichbar: Die BA-Zahl von 4.614 Euro ist ein monatliches Medianentgelt, während bei den Esslinger Beispielen noch Jahressonderzahlung und Leistungsprämie auf zwölf Monate umgelegt werden. Sie zeigen deshalb nicht, dass eine durchschnittliche Altenpflegefachkraft in Baden-Württemberg mehr als 5.000 Euro verdient. Sie zeigen aber sehr wohl, welche Jahreseinkommen bei einem tarifgebundenen kommunalen Arbeitgeber bereits ohne Leitungsfunktion erreichbar sind.
Auch nicht-kommunale Träger bewegen sich nicht allzu weit weg vom TVöD
Die Städtischen Pflegeheime Esslingen bezahlen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) und gehören damit zur gut zahlenden Seite des Marktes. Ein exotischer Ausnahmefall ist das Vergütungsniveau allerdings nicht. Auch die großen kirchlichen Träger orientieren ihre Vergütung stark am öffentlichen Dienst und zahlen vielfach auf sehr ähnlichem Niveau.
Hinzu kommt die seit 2022 geltende Tariftreueregelung in der Langzeitpflege: Zugelassene Pflegeeinrichtungen müssen ihre Beschäftigten tarifgebunden oder mindestens auf einem entsprechenden regionalen Entgeltniveau bezahlen. Die hohen Tarifabschlüsse wirken deshalb weit über kommunale Einrichtungen hinaus.
Kirsten Gaede