Nach Berechnungen von Terranus kostete der Bau eines Pflegeheims mit 80 Wohneinheiten im Jahr 2015 noch rund 2.500 Euro je Quadratmeter Nettoraumfläche. Zehn Jahre später waren es bereits 4.200 Euro, fast 70 Prozent mehr. Neben höheren Grundstückspreisen und Zinsen treiben strengere bauliche und energetische Vorgaben die Kosten. Gleichzeitig wächst in einigen Bundesländern die Lücke zwischen Baukosten und refinanzierbaren Investitionskosten.
Beispiel Geschossdecken und Schallschutz
Terranus sieht vor allem bei technischen Standards Einsparpotenzial. Viele Anforderungen seien nicht gesetzlich vorgeschrieben, würden aber aus Gewohnheit oder zur Absicherung gegen Haftungsrisiken umgesetzt. Durch zulässige Anpassungen könnten Bauherren nach Einschätzung des Unternehmens bis zu 18 Prozent der Baukosten einsparen.
Ein Beispiel sind Geschossdecken. Statt der häufig üblichen Stärke von 20 bis 24 Zentimetern könnten in vielen Fällen auch 16 bis 20 Zentimeter ausreichen, ohne Stabilität und Trittschallschutz wesentlich zu beeinträchtigen. Auch bei Fenstern ließen sich durch geringere Schallschutzanforderungen Kosten reduzieren. "Die Möglichkeiten für einfacheres Bauen sind längst vorhanden. In der Praxis werden sie allerdings noch zu selten genutzt", sagt Terranus-Aufsichtsrat Carsten Brinkmann.
Sogenannter Hamburg-Standard könnte Vorbild sein
Entscheidend sei, dass Bauherren und Planer frühzeitig prüfen, welche Standards tatsächlich notwendig sind. Abweichungen von anerkannten Regeln der Technik seien grundsätzlich möglich, müssten aber sorgfältig vereinbart werden. Auftragnehmer seien verpflichtet, über mögliche Folgen aufzuklären. Gesetzliche Anforderungen und die Sicherheit der Bewohner bleiben davon unberührt.
Als Vorbild nennt Terranus den sogenannten Hamburg-Standard, mit dem die Hansestadt kostengünstigeres Bauen ermöglichen will. Ein ähnliches Ziel verfolgt das Konzept Gebäudetyp E, das rechtssichere Abweichungen von nicht verpflichtenden Baustandards erleichtern soll. Eine gesetzliche Umsetzung wird vorbereitet.
