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21. Juni 2026 | 16:20 Uhr
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Damit Bewohner nicht immer gleich in der Notaufnahme landen

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis (Foto) plädiert für mobile geriatrische Interventionsteams, die Pflegebedürftige im Pflegeheim oder zu Hause versorgen, bevor der Rettungswagen gerufen wird. So könnten unnötige Klinikeinweisungen vermieden und Notaufnahmen entlastet werden, sagt der Arzt, der während der Pandemie als Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung häufig im Fernsehen zu sehen war.

Die geriatrischen Interventionsteams sollten an Rettungsleitstellen angebunden sein, meint Christian Karagiannidis

Immer mehr hochaltrige Menschen, immer mehr Notfälle – und immer weniger Spielraum in den Krankenhäusern. Für Karagiannidis, Intensivmediziner an den Kliniken Köln-Merheim ist klar: Die Versorgung älterer Menschen muss künftig stärker außerhalb des Krankenhauses organisiert werden. Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) wirbt Karagiannidis für geriatrische Interventionsteams. Sie sollten an Rettungsleitstellen angebunden sein und bei Notrufen zunächst vor Ort beurteilen, ob eine Klinikeinweisung nötig ist. Unterstützt werden könnten solche Teams durch Telemedizin und speziell qualifizierte Pflegefachkräfte.

Der Vorstoß zielt auf ein bekanntes Problem, wie eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) kürzlich erst wieder belegt hat. Pflegeheimbewohner werden noch immer häufig wegen Erkrankungen ins Krankenhaus gebracht, die auch im Heim behandelt werden könnten oder durch frühzeitige Intervention vermeidbar wären. Pflegekräfte entscheiden sich oft für die Einweisung, weil vor Ort kein Arzt ist, der die Situation medizinisch einschätzen könnte.

Immer mehr Projekte zur Versorgung geriatrischer Notfälle    

Erste Modellprojekte gehen bereits in eine ähnliche Richtung wie Karagiannidis' Vorschlag: Im Saarland startet gerade ein vom Innovationsfonds gefördertes Projekt mit einem mobilen Diagnostik-Lkw, der CT, Röntgen, Ultraschall und Labordiagnostik direkt ins Pflegeheim bringt. Auch Telemedizin-Projekte verschiedener Krankenkassen sollen unnötige Transporte in die Notaufnahme verhindern.

Karagiannidis sieht zudem die neuen sektorenübergreifenden Versorgungszentren der Krankenhausreform als Chance. Sie könnten insbesondere für geriatrische Patienten eine wohnortnahe Alternative zum klassischen Krankenhaus schaffen. Entscheidend sei jedoch, dass diese neuen Strukturen ausreichend finanziert werden. Nur dann lasse sich der wachsende Versorgungsbedarf älterer Menschen bewältigen.