Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

10. Juni 2026 | 14:46 Uhr
Teilen
Mailen

Hightech-LKW bringt Notaufnahme ins Pflegeheim

Ein Computertomograf direkt vor dem Pflegeheim: Im Saarland startet ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, das Krankenhausdiagnostik zu Heimbewohnern bringt. Der vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit mehr als acht Millionen Euro geförderte Diagnostik-LKW (Foto) soll unnötige Klinikeinweisungen vermeiden und Pflegebedürftige medizinisch besser versorgen. In der dreijährigen Pilotphase profitieren rund 4.000 Bewohner aus etwa 50 Pflegeheimen.

Die Diagnostik im Dikom-Projekt geht über die Televisite hinaus: Es gibt etwa, wie hier zu sehen, auch ein CT. Mit im Bild die leitende Ärztin der Mobilen Geriatrie Unit, Silvia Rauen

Wenn ein Pflegeheimbewohner stürzt und auf den Kopf fällt, führt der Weg heute oft direkt in die Notaufnahme. Künftig könnte in solchen Fällen ein speziell ausgestatteter Diagnostik-LKW vor dem Heim vorfahren. Das Saarland startet mit "Dikom – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit" ein bundesweit einmaliges Versorgungsprojekt.

Das Fahrzeug ist mit einem Ganzkörper-Computertomographen (CT), Röntgen- und Ultraschallgeräten, EKG, EEG sowie einem eigenen Labor ausgestattet. Dort können unter anderem Blutbild, Blutgerinnung, Entzündungswerte sowie Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte untersucht werden. Damit erreicht die mobile Einheit nach Angaben der Projektpartner den Standard einer klinischen Notaufnahme.

Oft müssen Bewohner für Diagnostik mehrere Tage im Krankenhaus verbringen  

Der Bedarf ist groß: Im Saarland leben mehr als 14.000 Menschen in 160 Pflegeheimen. Viele von ihnen sind dement oder stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. Für medizinische Untersuchungen werden sie häufig für mehrere Tage ins Krankenhaus eingewiesen. Für Bewohner bedeutet das Stress, für das Klinikpersonal Überforderung und die Krankenkassen hohe Kosten.

Die "Mobile Geriatrie Unit" wird von Fachärzten, medizinisch-technischen Radiologieassistenten, Rettungssanitätern und Fahrern begleitet. Die erhobenen Daten werden per Telemedizin direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin, Geriatrie, Neurologie und Orthopädie übermittelt. Die Befunde gehen anschließend an Hausärzte und Pflegeheime zurück.

Entwickelt hat das Konzept der Saarbrücker Neurologe und Altersmediziner Klaus Faßbender. Bereits vor vier Jahren erhielt das Projekt die Zusage des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem höchsten Gremium im selbst verwalteten Gesundheitswesen – der entscheidet unter anderem, welche Therapien, Medikamente und diagnostischen Methoden von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert werden. 

"Eine geniale Idee", sagt Universitätspräsident Ludger Santen

Insgesamt gibt es mehr als acht Millionen Euro Fördermittel für das Projekt. Im September beginnt die aktive Modellphase. Über drei Jahre sollen zunächst rund 4.000 Bewohner aus etwa 50 Pflegeheimen von der mobilen Diagnostik profitieren. Insgesamt sind 45 weitere Partner beteiligt.

Die wissenschaftliche Begleitung soll zeigen, in welcher Größenordnung sich mit Dikom Krankenhauseinweisungen vermeiden lassen, und ob das Modell wirtschaftlich tragfähig ist. Gelingt das, könnte aus dem saarländischen Pilotprojekt ein neues Versorgungsmodell für Pflegeheime in ganz Deutschland werden. Universitätspräsident Ludger Santen spricht bereits von einer "genialen Idee", die Hightech-Diagnostik zu den Menschen zu bringen statt umgekehrt.