Pflegeheimbewohner landen immer noch zu oft im Krankenhaus
Pflegeheimbewohner werden noch immer zu häufig ins Krankenhaus eingewiesen: wegen Erkrankungen, die durch bessere Pflege vermeidbar wären, oder direkt im Heim behandelt werden könnten. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg. Lösen ließe sich das Problem unter anderem durch eine Ausweitung der Telemedizin.
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Die Hektik in Krankenhäuser schüchtert viele Bewohner ein und bringt sie aus dem Takt – auch deshalb sind unnötige Klinikeinweisungen ein Problem
Nach den AOK-Daten entfielen 2025 auf 100 dauerhaft im Pflegeheim lebende Menschen durchschnittlich 13 Krankenhausaufenthalte, die mit Problemen wie Wunden, Flüssigkeitsmangel, Dekubitus, Harnwegsinfektionen, Mangelernährung oder bestimmten Frakturen zusammenhingen. Nach Einschätzung der Autoren hätten diese Fälle durch mehr pflegerische Sorgfalt und bessere Rahmenbedingungen zumindest teilweise verhindert werden können.
Noch größer ist die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen, die meistens auch im Pflegeheim behandelt werden könnten. Die AOK kommt hier auf rund 50 Klinikaufenthalte je 100 Heimbewohner. Grundlage ist ein wissenschaftlich entwickelter Katalog von Diagnosen, bei denen eine bessere Abstimmung zwischen Pflege, Hausärzten und weiteren Beteiligten eine stationäre Aufnahme häufig überflüssig machen könnte.
Dazu zählen unter anderem:
- Hautabszesse
- Diabetes-Erkrankungen
- Bronchitis
- verschiedene Infektionskrankheiten
Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede. In Oberhausen registrierte die AOK 16,4 potenziell vermeidbare Krankenhausfälle je 100 Heimbewohner. Bei den Erkrankungen, die grundsätzlich im Heim versorgt werden könnten, lag der Wert dort sogar bei 63,5 Fällen. Auch Düsseldorf (60 Fälle) und der Kreis Wesel (58,6 Fälle) schneiden kaum besser ab.
Die Crux: Pflegekräfte erreichen auf die Schnelle keinen Arzt
Die Analyse verdeutlicht ein bekanntes Problem der stationären Altenpflege: Verschlechtert sich der Zustand eines Bewohners akut – oder scheint sich zu verschlechtern –, ist es für die Mitarbeiter vor Ort schwer, schnell eine fachärztliche Einschätzung zu erhalten. Aus Sicherheitsgründen schicken die Pflegekräfte die Bewohner dann oft in die Notaufnahme.
Genau hier setzen verschiedene Modellprojekte an. Die AOK Rheinland/Hamburg verweist auf den Vertrag "Visit-on", bei dem Pflegekräfte per Videokonsil Ärzte hinzuziehen können. In Hamburg läuft zudem das Projekt "Virtuelle Notfallversorgung von Pflegebedürftigen" (VNP), das unnötige Krankenhauseinweisungen verhindern soll.
Eine Reihe von Initiativen geht das Problem "unnötige Klinikeinweisung" an
Abgesehen von den AOK-Projekten entstehen gerade auch anderswo neue Ansätze. Im Saarland startet im Herbst das bundesweit einzigartige Projekt "Dikom" mit einem mobilen Diagnostik-Lkw. Die sogenannte Mobile Geriatrie Unit bringt Computertomografie, Röntgen, Ultraschall, Labor und weitere Diagnostik direkt in Pflegeheime. Nach Stürzen oder bei unklaren Krankheitsbildern könnten Bewohner so vor Ort untersucht werden, ohne sofort ins Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen.
Weitere Hoffnung setzen Branchenvertreter wie der Deutsche Pflegerat auf das neue Befugniserweiterungsgesetz (BEEP). Es soll Pflegefachkräften mehr Eigenständigkeit bei der Versorgung übertragen und damit ebenfalls dazu beitragen, unnötige Klinikeinweisungen zu vermeiden.