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8. November 2023 | 21:37 Uhr
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DRK stößt Debatte über Zukunft der Pflege in Deutschland an

DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (Foto) will eine gesellschaftliche Debatte über die Zukunft der Pflege in Deutschland anstoßen. Nach Abschluss einer Tour durchs Land und vielen Gesprächen mit Beschäftigen vor Ort sieht sie nicht nur die Betriebe und die Politik in der Pflicht. Am Ende beträfen die Herausforderungen der Pflege die ganze Gesellschaft, auch sie müsse mitziehen und mehr Einsatz zeigen.

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DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt glaubt nicht, dass Geld allein die Probleme der Pflege löst

Die Pflege von Menschen in Deutschland steht vor einer ernsthaften Krise. Der demografische Wandel, der eine steigende Anzahl von Pflegebedürftigen mit sich bringt, hat die Bedeutung der Pflege in den letzten Jahren dramatisch erhöht und wird es weiter tun. Dennoch würden die aktuellen Rahmenbedingungen dieser steigenden Relevanz nicht gerecht. Das beklagt DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt im Gespräch mit der Redaktion Care vor9. 

Hasselfeldt hatte zuvor eine Vielzahl von Einrichtungen im Land besucht, sich über konkrete Beispiele aus dem Pflegealltag informiert und viele Gespräche mit Pflegekräften geführt. "Mir war wichtig, vor Ort von der Expertise der Beschäftigten zu lernen und zu erfahren, was sie bewegt und wie sie die Zukunft sehen“, sagt die DRK-Präsidentin. 

Ihr Fazit fällt vielschichtig aus: "Die Herausforderungen in der Pflegebranche sind vielfältig und erfordern dringend umfassende Reformen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden", erklärt Hasselfeldt. Ein zentrales Problem sei der anhaltende Fachkräftemangel, der sich sowohl in stationären als auch ambulanten Pflegeeinrichtungen bemerkbar macht. "Die Gewinnung und Bindung von qualifiziertem Pflegepersonal ist von entscheidender Bedeutung. Hierbei spielen Arbeitsplatzgestaltung, adäquate Entlohnung und Wertschätzung eine wesentliche Rolle."

Die Bedeutung der Pflege durch Familienangehörige wird weiter zunehmen

Jedoch werde zunehmend klar, dass der künftige Pflegebedarf mit den bisherigen Möglichkeiten des Systems nicht abgedeckt werden könne. "Wir müssen auch davon ausgehen, dass noch mehr als bisher im familiären Kreis oder über ehrenamtliche Hilfe unterstützt werden muss." 

Ein weiterer entscheidender Aspekt sei die Überlastung der Pflegekräfte selbst, die regelmäßig zwischen Zeitdruck und hohen Qualitätsansprüchen jonglieren müssen. "Eine Verhinderung dieser Überlastung ist von entscheidender Bedeutung, was beispielsweise durch eine bessere Dienstplangestaltung und die Vermeidung von kurzfristigen Springer-Diensten erreicht werden kann." Mehr Geld hingegen würde nicht unbedingt helfen. "Die meisten Pflegekräfte empfinden ihre derzeitige Bezahlung als durchaus ordentlich. Daher geht es nun viel mehr um die konkreten Arbeitsbedingungen sowie die persönliche Wertschätzung."

Bei Entbürokratisierung die praktische Erfahrung aus der Pflege einbeziehen

Zudem stelle die Bürokratie unverändert ein weiteres Problem dar. "Die Pflegekräfte verbringen oft einen Großteil ihrer Zeit mit Dokumentation und Verwaltungsaufgaben. Hier ist eine dringende Entbürokratisierung erforderlich, bei der die praktischen Erfahrungen der Pflegekräfte und Einrichtungen einfließen sollten. Die Digitalisierung kann hierbei eine wichtige Rolle spielen, erfordert jedoch Unterstützung und angemessene Finanzierung", so die DRK-Präsidentin.

Die Finanzierung der Pflege sei zudem ein entscheidender Faktor. "Die Pflegeversicherung muss nachhaltig stabil finanziert sein, um eine adäquate Pflege sicherzustellen. Dazu gehört auch, dass wir eine vollständige Refinanzierung der medizinischen Behandlungspflege im stationären Pflegebereich über die gesetzliche Krankenversicherung brauchen. Weiterhin ist zu überlegen, ob ein sogenannter Sockelspitzenausgleichs in der Pflegeversicherung den Eigenanteil der Pflegebedürftigen begrenzen könnte." 

Benjamin Fehrecke-Harpke, stellvertretender Leiter Team Gesundheit, Seniorenarbeit und Pflege beim DRK, äußert sich zu den politischen Reformbemühungen und machte keine große Hoffnungen: "Die Erwartung, dass jetzt in den nächsten Monaten noch etwas Grundlegendes passiert, ist eher gering. Die Reform der aktuellen Koalition, das sogenannte Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz, ist nicht nur komplex, sondern bietet auch beim genaueren Hinsehen unfassbar viele Teilverbesserungen. Es handelt sich jedoch nicht um den großen Wurf." Zudem sei die Bundesregierung noch immer ein Gutachten schuldig, in dem eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung dargestellt werden sollte. Hier gelte es, sich ehrlich zu machen: "Es ist klar, dass die Pflege teuer für die Gesellschaft ist und noch teurer werden wird."

Pascal Brückmann

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