Hilfskräfte sind größtes Potenzial für Pflegefachassistenten
Ab 2027 startet in den meisten Bundesländern die neue Ausbildung zur Pflegefachassistenz. Um möglichst schnell viele ausgebildete Assistenten einsetzen zu können, empfiehlt es sich, auch auf die eigene Belegschaft zu setzen, sagt Matthias Glasmeyer (Foto), Gründer und Geschäftsführer der privaten APM-Schulen, die auf die Ausbildung in der Altenpflege spezialisiert sind. Die Vorteile liegen auf der Hand, es gibt jedoch einiges zu beachten.
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Der Quereinstieg klappt nicht zwischen Tür und Angel, die Einrichtungen müssen dem Azubi Raum geben, meint Matthias Glasmeyer
Die Idee liegt nahe – und wird doch oft zu wenig genutzt: Pflegeeinrichtungen könnten stärker in den eigenen Reihen nach Nachwuchs suchen. "Es gibt viele ungelernte Hilfskräfte in den Einrichtungen. Die Frage ist nur: Wie bringe ich sie weiter?", sagt Glasmeyer. Mit dem neuen Pflegefachassistenzgesetz, das ab 2027 bundesweit gilt, sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Bislang gab es 27 unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern, was den Einstieg erschwerte. Künftig soll es einheitliche Wege geben, auch für Quereinsteiger.
Ein zentraler Punkt ist, dass Verkürzungen möglich sind, bis hin zu einem 320-stündigen Vorbereitungskurs. Wer bereits drei Jahre in Vollzeit als Hilfskraft gearbeitet hat, muss nicht die komplette 18-monatige Ausbildung durchlaufen. Stattdessen reicht der 320-Stunden-Kurs, um für die staatliche Prüfung zur Pflegefachassistenz zugelassen zu werden.
Einrichtungen müssen Quereinsteigern Raum geben
APM bietet solche Vorbereitungskurse bereits heute in Nordrhein-Westfalen an. Ab 2027 sollen sie dann bundesweit folgen. "Wir rechnen damit, dass die Nachfrage deutlich steigen wird", sagt Glasmeyer. Voraussetzung sei allerdings, dass die Einrichtungen die Qualifizierung ernst nehmen und ihr Raum geben. "Das funktioniert nicht zwischen Tür und Angel nach einem Acht-Stunden-Tag."
Noch ungeklärt ist, wie die Prüfungen künftig terminlich organisiert werden. Bisher legen Quereinsteiger ihre Prüfungen gemeinsam mit regulären Auszubildenden ab. Es wäre jedoch sinnvoll, eigene Prüfungstermine zu schaffen, um Engpässe zu vermeiden und den Einstieg zu beschleunigen. Glasmeyer hofft, dass die Politik diesen Weg ermöglicht.
Die APM-Pflegeschulen, Marktführer unter den privaten Anbietern, bilden aktuell mehr als 5.500 Auszubildende an bald 37 Pflegeschulstandorten (zehn davon sind in Planung) aus und feiern in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Ihr Interesse, so viele Auszubildende wie möglich zum Abschluss zu bringen, ist groß. "Ein wichtiger Erfolgsfaktor liegt jenseits der reinen Fachvermittlung. Wir setzen deshalb auf sozialpädagogische Begleitung, Sprachförderung, Nachhilfe und Lernwerkstätten", sagt der APM-Geschäftsführer.
Mit dieser Strategie weckt APM immer häufiger auch das Interesse der Krankenhäuser. So melden beispielsweise die Unikliniken in Mannheim und Gießen einige ihrer Auszubildenden aus Drittländern an einer APM-Schule an, um sicherzustellen, dass sie auch sprachlich gut betreut werden. Zum APM-Programm gehören auch Prüfungssimulationen und Unterstützung bei Prüfungsangst. "Das ist gerade für die Pflegefachassistenz-Azubis wichtig, denn bei vielen von ihnen liegen Lernen und Prüfungssituationen lange zurück", sagt Glasmeyer.
Digitalisierung mit angezogener Handbremse
Für Quereinsteiger ist auch digitales Lernen ein Thema, da sie häufiger Kinder oder hilfsbedürftige Angehörige haben als ihre jüngeren Kollegen in den regulären Ausbildungsgängen. Doch die Schulen können hier nicht so viel anbieten, wie sie gern möchten. In der Begründung der Verordnung heißt es: "Der Umfang von E-Learning soll zehn Prozent nicht überschreiten.” Ein fester digitaler Tag pro Woche, also 20 Prozent, wäre schon ein Gewinn, sagt Glasmeyer. Langfristig plädiert er für mehr Eigenverantwortung der Schulen, bis hin zu einem deutlich höheren Online-Anteil von vorzugsweise 50 Prozent.
Der APM-Chef appelliert an die Einrichtungsträger, sich bereits jetzt zu überlegen, wer für die Ausbildung von Quereinsteigern infrage kommt, und Antworten auf wichtige Fragen zu finden: Wie können wir sie motivieren und unterstützen? Wie organisieren wir die Zeiten, in denen sie freigestellt sind? Welche Fördermöglichkeiten bietet die Agentur für Arbeit?
Kirsten Gaede