Hohe Spritpreise bringen Pflegedienste in Bedrängnis
Immer mehr ambulante Pflegedienste und Tagespflegen klagen über die teuren Spritpreise, besonders auf dem Land. Während einzelne Anbieter und Verbände bereits vor existenziellen Risiken warnen, raten andere wie Thomas Eisenreich von Home Instead und Thomas Meißner vom Pflegedienstverband AVG zur Ruhe: Noch sei unklar, ob es sich um einen kurzfristigen Ausschlag oder ein langfristiges Problem handelt.
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"Die entscheidende Frage ist, wie lange die Preissteigerung anhält", meint Thomas Eisenreich
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Beim DRK-Kreisverband Rems-Murr nahe Ludwigsburg in Baden-Württemberg schlagen die höheren Preise aktuell mit rund 2.500 Euro pro Woche zu Buche. Über 100 Fahrzeuge sind dort im Einsatz, 50 allein im Bereich Sozialarbeit. Dazu zählen neben der ambulanten Pflege auch Fahrdienste und Fahrten, die durch den Hausnotruf ausgelöst werden. Kurzfristig gegensteuern lässt sich kaum – die Leistungen sind vertraglich gebunden, Einnahmen nicht flexibel anpassbar, Positiv wirke sich jetzt aber die steigende Anzahl an Elektrobussen aus, sagt der Leiter der Sozialarbeit, Utz Bergmann.
Ähnlich ist die Lage im Nordosten der Republik: Ein Pflegedienst in Mecklenburg-Vorpommern rechnet statt mit 5.000 nun mit bis zu 7.000 Euro monatlichen Spritkosten. Das sind rund 2.000 Euro mehr, sagt der Geschäftsführer des Pflegecampus Lobetal in Lübtheen, Norbert Zobel, gegenüber dem Nordkurier. Das Unternehmen zwischen Berlin und Hamburg, nahe Ludwigslust, bietet unter anderem ambulante Pflege und eine mobile Essensversorgung an. Gerade im ländlichen Raum, wo bis zu 80 Prozent der Pflegebedürftigen ambulant versorgt werden, sind die Fahrten lang und werden damit gerade besonders teuer.
VDAB schlägt Senkung der Energiesteuer vor
Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) sieht die Entwicklung mit Sorge. Steigende Mobilitätskosten erhöhten den wirtschaftlichen Druck und könnten langfristig sogar die Versorgung gefährden. Als kurzfristige Entlastung schlägt der Verband eine Senkung der Energiesteuer vor.
Thomas Eisenreich, Geschäftsführer von Home Instead, gibt zu bedenken: Viele Kostensteigerungen lassen sich nicht unmittelbar refinanzieren. Vergütungen werden auf Basis früherer Kalkulationen vereinbart – aktuelle Preissteigerungen schlagen deshalb direkt auf die Marge durch. Trotzdem hält er es für verfrüht, jetzt schon politische Eingriffe zu fordern. "Die entscheidende Frage ist, wie lange die Preissteigerung anhält", sagt Eisenreich. Kurzfristige Ausschläge gehörten zum unternehmerischen Risiko. Wenn die hohen Preise aber über Monate anhalten, sei es angebracht, über Anpassungen oder Zuschläge zu sprechen.
"Man kann nicht sofort losschreien"
Ähnlich argumentiert Thomas Meißner vom Berliner Pflegedienstverband AVG. Preisschwankungen seien Teil des Marktes, ein vorschneller Ruf nach Ausgleichszahlungen nicht sinnvoll. "Man kann nicht sofort losschreien", sagt er – auch weil Preise bald wieder fallen könnten.
Der Tenor von Eisenreich und Meißner: Die Belastung ist real und für viele Dienste spürbar – vor allem bei ohnehin knappen Margen. Doch noch sei die Lage nicht eindeutig. Sollte sich das Preisniveau dauerhaft auf hohem Niveau einpendeln, sei eine Diskussion über Kompensationen in jedem Fall angebracht.
Kirsten Gaede