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29. Juni 2026 | 07:00 Uhr
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Nach Hitzegroßeinsätzen wächst der Druck auf Bund und Länder

Zu großem Rettungskräfte-Aufgebot und Evakuierungen kommt es in Pflegeheimen normalerweise bei Bränden – am Wochenende hat jetzt erstmals eine Hitzewelle gleich in zwei Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen solche Einsätze ausgelöst. In Dormagen und Krefeld mussten Dutzende Bewohner medizinisch versorgt oder verlegt werden. Patientenschützer Eugen Brysch fordert Bund, Länder und Kommunen auf, endlich in den Hitzeschutz von Pflegeheimen zu investieren.

Rettungswagen Krankenwagen Blaulicht iStock filmfoto.jpg

Aus einer Alloheim-Einrichtung in Dormagen kamen 16 Bewohner ins Krankenhaus, aus einer Kursana-Heim in Krefeld fünf  

Besonders dramatisch war die Lage in einer Alloheim-Einrichtung in Dormagen nahe Düsseldorf: Mehrere hundert Einsatzkräfte waren am Sonnabend (27. Juni) im Einsatz, nachdem sich das fünfgeschossige Gebäude zu großen Teilen auf über 35 Grad aufgeheizt hatte. 16 Bewohner mussten in Krankenhäuser gebracht, rund 30 weitere in andere Einrichtungen verlegt werden, berichten Der Westen

Ein Bewohner und eine palliativ betreute Bewohnerin starben

Eine Sporthalle wurde vorsorglich als Notunterkunft vorbereitet, letztlich wurden die meisten Bewohner aber in die etwas kühlere Cafeteria ins Erdgeschoss gebracht. Ein Bewohner starb in der Nacht von Freitag auf Sonnabend. Ob die Hitze ursächlich war, ist noch unklar. Im Laufe des Tages starb zudem eine palliativ betreute Bewohnerin, die sich im kühleren Erdgeschoss befand und nach Angaben der Stadt nicht von den extremen Temperaturen betroffen war.

Bereits am Vorabend (26. Juni) hatte es einen ähnlichen Einsatz in einer Kursana-Residenz in Krefeld gegeben. Dort rückten rund 50 Einsatzkräfte an, nachdem in den oberen Stockwerken Raumtemperaturen von bis zu 39 Grad gemessen worden waren. Fünf Bewohner mussten ins Krankenhaus, knapp 40 weitere wurden in kühlere Bereiche des Hauses verlegt. Die Einrichtung setzte zusätzliche Klimageräte, Ventilatoren und Kühlhilfen ein.

Auch in einem Pflegeheim von Azurit in Eisenberg in der Pfalz kollabierten mehrere Bewohner, in Schladen nahe Goslar mussten ebenfalls Rettungskräfte wegen Temperaturen bis zu 40 Grad in einem Pflegeheim anrücken.  

Brysch: In Sachen Hitzeschutz bleibt es zu oft bei Konzepten

Nach den beiden dramatischen Einsätzen fordert der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, verbindliche Investitionen in klimafeste Pflegeheime, wie das Kölsch Radio berichtet. Bestandsgebäude müssten endlich an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden. Für Neubauten verlangt er, dass die Raumtemperatur 25 Grad nicht überschreiten dürfe. Zwar verfügten viele Einrichtungen inzwischen über Hitzeschutzpläne, doch auf Seiten von Bund, Ländern und Kommunen bleibe es häufig bei Konzepten. Die Bundesregierung müsse noch in diesem Jahr verbindliche Investitionen zusagen, fordert Brysch. Auch die Länder seien in der Pflicht, den Hitzeschutz ihrer Pflegeeinrichtungen voranzubringen.