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9. Februar 2026 | 07:00 Uhr
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Ruf nach reiner Altenpflege-Ausbildung wird lauter

Nur ein Prozent der Generalistik-Azubis interessiert sich für die gesonderten Abschlüsse Altenpflege und Kinderkrankenpflege, so der aktuelle Bericht des Bundesgesundheits- und des Familienministeriums. Die Nachfrage sei zu gering, um die Abschlüsse dauerhaft im Gesetz zu verankern, heißt es. Bernd Meurer (Foto) vom BPA, der wie fast alle Trägerverbände die Generalistik abgelehnt, fordert nun, die eigenständige Ausbildung in der Altenpflege wieder einzuführen.

Meurer Bernd BPA Präsident Foto BPA Arne Poenert

Bernd Meurer ist mit seinem BPA nicht der einzige, der die Generalistik ablehnt: Auch die frühere Grünen-Abgeordnete Scharfenberg spricht von einem "Ritt auf der Rasierklinge"    

Dass sich seit Einführung der Generalistik 2020 kaum ein Auszubildender für den gesonderten Altenpflegeabschluss entschieden habe, verwundere nicht, sagt: Kaum eine Schule habe ihn angeboten, so der Präsident des Bundesverbands privater Träger sozialer Dienste (BPA), Meurer. "Die eigenständige Altenpflegeausbildung hingegen war ein Azubimagnet mit 60-prozentigem Zuwachs innerhalb von zehn Jahren. Sie abzuschaffen, hat die Versorgungslandschaft in Deutschland spürbar geschwächt." Die Hoffnungen auf weiterwachsende Azubizahlen hätten sich nicht erfüllt. 

In der Altenpflegebranche lehnen die meisten, so wie Meurer, die Generalistik ab. Als das entsprechende Gesetz 2017 diskutiert wurde, gab es auch im Parlament Gegenwind. So kam es, dass auf die letzten Meter die gesonderten Abschlüsse ins Gesetz eingeführt wurden – und zwar durch die Möglichkeit, den Schwerpunkt Altenpflege oder Kinderkrankenpflege im dritten Ausbildungsjahr zu wählen. Doch nun zeigt sich, dass dafür nur eine absolute Minderheit entscheidet. Im Jahr 2024 waren es bundesweit nur 83 Auszubildende. Dem stehen 13.700 Azubis gegenüber, die den generalistischen Abschluss mit Vertiefung Langzeitpflege gewählt haben. 

Bernhard Scheider: Altenpflege-Azubis scheitern reihenweise an den Prüfungsanforderungen 

Kritik an der Generalistik kommt auch vom früheren Chef der Evangelischen Heimstiftung. In einem Interview mit Care vor9 sagte Bernhard Schneider kurz vor seinem altersbedingten Ausscheiden: "Ich dachte: So schlimm wird’s schon nicht kommen. Doch da habe ich mich getäuscht. Die Zugangsvoraussetzungen sind zu hoch, die Praxiseinsätze im Krankenhaus und der Pädiatrie unnötig und zu lang, die Prüfungsanforderungen sind häufig zu speziell, so dass Auszubildende aus der Altenpflege reihenweise scheitern, obwohl sie in der Altenpflegepraxis hervorragende Noten haben." 

Doch hätte die Wiedereinführung der eigenständigen Altenpflegeausbildung eine Chance? Die frühere pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, die 2017 im Parlament gegen die Generalistik stimmte, ist skeptisch: "Es war schon eine Mammutaufgabe, die Generalistik umzusetzen. Und das jetzt alles rückabwickeln? Die Frage ist vielleicht eher, wie man jetzt die Generalistik so modifizieren kann, dass die Altenpflege nicht mehr hinten rüber fällt", sagte die heutige Vorständin der Korian Stiftung in einem Gespräch mit Care vor9. In jedem Fall steht für sie fest: "Die Entscheidung 2017 war definitiv ein Ritt auf der Rasierklinge."

Kirsten Gaede

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