Warum eine Vier-Tage-Woche den Krankenstand senken kann
Die Vier-Tage-Woche beim kommunalen Pflegeanbieter Münchenstift wirkt sich offenbar positiv auf den Krankenstand aus. Nach den ersten Monaten lagen die Fehlzeiten der Teilnehmer rund ein Drittel unter dem Durchschnitt der Pflege. Personalleiter Markus Edel sieht den Grund nicht allein in längeren Erholungsphasen. Vor allem der ruhigere Arbeitsalltag und mehr Zeit für die eigentliche Pflege spielten eine Rolle.
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Durch die längeren Arbeitszeiten pro Tag überlappen sich Früh- und Spätdienst zwei Stunden. Das bringt mehr Ruhe in die Abläufe
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Seit Juni bietet das Münchenstift die Vier-Tage-Woche allen Beschäftigten freiwillig an. Vorausgegangen war ein mehrmonatiger Test in neun Wohnbereichen. Die ersten Auswertungen deuten auf einen deutlichen Rückgang der Krankheitsquote hin. "Bemerkenswert ist, dass der Test ausgerechnet in den Wintermonaten von Oktober bis März stattfand – also in der Jahreszeit mit den höchsten krankheitsbedingten Ausfällen", sagt Personalleiter Markus Edel. Für wissenschaftliche Aussagen sei der Beobachtungszeitraum allerdings zu kurz.
Dennoch erkennt der Personalleiter einen klaren Trend. Während die Krankenquote in der Pflege des Münchenstifts insgesamt bei 6,4 Prozent liegt, fiel sie in den Testbereichen um rund ein Fünftel niedriger aus. Bei den Mitarbeitern, die tatsächlich in der Vier-Tage-Woche arbeiteten, lag sie sogar rund ein Drittel unter dem Durchschnitt. Die Teilnahme war und ist freiwillig, deshalb arbeiten in allen Wohnbereichen auch einige Mitarbeiter nach wie vor fünf Tage die Woche.
Ruhigeres Arbeiten durch überlappende Schichten
Für Markus Edel erklärt sich der Erfolg der Vier-Tage-Woche nicht allein durch den zusätzlichen freien Tag. Vielmehr haben sich die Arbeitsabläufe verändert. Die verlängerte Frühschicht führt zu einer zusätzlichen Überschneidung mit der Spätschicht zwischen 14 und 16 Uhr. Diese Überlappung ermöglicht es, organisatorische Aufgaben und Bürozeiten flexibler zu gestalten und im Team besser aufzufangen. Dadurch lassen sich Abläufe effizienter organisieren und die Mitarbeiter entlasten.
"Es ist insgesamt ruhiger geworden", sagt Edel. Dokumentation und organisatorische Aufgaben müssten nicht mehr an separaten Bürotagen erledigt werden, sondern könnten während der längeren Dienste ohne Zeitdruck stattfinden. Trotz der fast zehnstündigen Schichten berichten viele Beschäftigte, sich entspannter zu fühlen während der Arbeit.
Drei bis sechs freie Tage am Stück
Hinzu kommen längere zusammenhängende Freizeitblöcke. Das Münchenstift versucht, den Mitarbeitern regelmäßig drei freie Tage am Stück zu ermöglichen, häufig sogar fünf oder sechs. Das komme insbesondere Familien zugute. Eltern könnten gemeinsame Ausflüge auch unter der Woche planen, wenn Ausflugsziele weniger überlaufen seien. "Da macht der Vater auch mal den Schlampatag mit seinem fünfjährigen Kind und fährt in den Märchenpark zu einer Zeit, wo’s richtig schön leer ist", sagt Edel.
Auch viele internationale Pflegekräfte profitierten. Wer Familie im benachbarten Ausland habe, könne häufiger für mehrere Tage nach Hause fahren, ohne anschließend den restlichen Monat kaum noch freie Tage zu haben.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Freiwilligkeit. Beschäftigte können die Vier-Tage-Woche ausprobieren und jederzeit wieder problemlos ins Fünf-Tage-Modell zurückkehren. Wegen dieser Flexibilität, meint Edel, genieße das Modell eine hohe Akzeptanz unter den Mitarbeitern.
Kirsten Gaede