Welche Innovationen sich für Pflegeanbieter wirklich lohnen
Welche Innovationen bringen Pflegeeinrichtungen tatsächlich weiter? Ein Praxishandbuch aus dem Modellprojekt "Pflege 2030" im Korian-Haus Karlsfeld liefert erstmals einen wissenschaftlich begleiteten Überblick über digitale Technologien und neue Organisationsformen. Unter die Lupe genommen werden unter anderem Sturzsensoren, sprachgesteuerte Dokumentation, Aktivtische, VR-Brillen oder die kompetenzorientierte Arbeitsorganisation (Kuba), selbst ein EKG-Toilettensitz ist dabei. Die rund 150 Seiten dicke Broschüre steht kostenlos zum Download bereit.
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Auch über VR-Brillen gibt es im Handbuch ein Kapitel. Das Urteil fällt positiv aus, außerdem haben die Autoren einige Tipps für die Einführung parat
Das Besondere an dem dreieinhalb Jahre dauernden bayerische Modellprojekt "Pflege 2030": Es profitieren auch andere Pflegebetreiber von der Arbeit der Wissenschaftler und der Mitarbeiter im Korian-Haus Karlsfeld. Denn sie alle können in dem Handbuch, das aus dem Projekt hervorgegangen ist, nachlesen, welche Innovationen sich in der Praxis bewährt haben, und welche eher nicht.
Bewertet werden unter anderem sprachbasierte Pflegedokumentation, KI-gestützte Sturzsensoren, digitale Aktivtische, VR-Brillen für virtuelle Reisen, Kommunikations-Apps, Reinigungsroboter, höhen- und drehverstellbare Toiletten, mobile Aromatherapie, KI-gestützte Trainingssysteme sowie Speziallösungen wie ein Toilettensitz mit integriertem Sechs-Kanal-EKG. Das System zeichnet während der Toilettennutzung über Sensoren in Sitzfläche und Daumenauflagen automatisch ein EKG auf und soll Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennen.
Sturzsensoren flächendeckend empfehlenswert
Jede Innovation wird nach denselben Kriterien beurteilt: Voraussetzungen für den Einsatz, Nutzen für Bewohner, Nutzen für Mitarbeiter sowie Kosten und wirtschaftliche Einordnung. So berichten die Autoren bei den Sturzsensoren von einer deutlich geringeren Zahl an Sturzereignissen und einer Entlastung des Nachtdienstes, weil Kontrollgänge reduzieren lassen. Die Anti-Dekubitus-Matratzen empfehlen sie dagegen nur für besonders gefährdete Bewohner.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einführung der neuen Personalbemessung und der kompetenz- und bewohnerorientierten Arbeitsorganisation (Kuba). Das Handbuch beschreibt Schritt für Schritt, wie Einrichtungen die Umstellung organisieren können, welche Veränderungen sich für Rollenverteilung und Teamarbeit ergeben und wie sich die zusätzlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden besser nutzen lassen.
Plädoyer für die kompetenzorientierte Arbeitsorganisation
Projektpartner Heinz Rothgang von der Universität Bremen sieht gerade in der Kombination aus kompetenzorientierter Arbeitsorganisation und digitaler Unterstützung einen wirksamen Weg, Pflegequalität zu verbessern und Mitarbeiter dauerhaft zu entlasten. Das ist wenig erstaunlich, schließlich gilt er als Begründer der neuen Personalbemessung (PeBeM).
Das mit 3,1 Millionen Euro vom Freistaat Bayern geförderte Modellprojekt lief seit Ende 2022 im Korian-Haus Karlsfeld, beteiligt war die Korian Stiftung, Korian Deutschland, die Universität Bremen und das Fraunhofer-Institut IIS.
Das Praxishandbuch "Pflege 2030" steht allen Einrichtungen kostenlos zum Download zur Verfügung.