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24. Januar 2026 | 17:18 Uhr
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5 Tipps gegen hohen Krankenstand in der Pflege

Mit 15 AU-Tagen im Jahr melden sich die Deutschen zu häufig krank, meint Kanzler Friedrich Merz. 15 Tage? Die Probleme hätten Pflegebetreiber gern: In ihren Einrichtungen liegt der durchschnittliche Krankenstand bei rund 38 Tagen im Jahr. Ließen die sich reduzieren, würde der Fachkräftemangel gelindert und auch die wirtschaftliche Situation der Betreiber. Doch wie soll das gehen? Dem Geschäftsführer Florian Heuwer (Foto) des Seniorenpflegeheim Heuwer in Wedel bei Hamburg fällt dazu einiges ein.

Im Pflegeheim von Florian Heuwer wird jeder Mitarbeiter gefragt, ob ihm der Dienstplan passe 

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Als vor rund drei Jahren die Vier-Tage-Woche-Diskussion aufflammte, begann Geschäftsführer Florian Heuwer sich über attraktive Arbeitszeiten Gedanken zu machen. Die Vier-Tage-Woche war für das kleine Familienunternehmen südlich von Hamburg mit seinen 40 Plätzen und 18 Pflegekräften keine Option. Aber er überlegte in eine andere Richtung: Wenn die Mitarbeiter nur an einem Wochenende im Monat arbeiten müssten, würde das für sie einen echten Vorteil bedeuten. So kamen sie auf die Idee der Zwölf-Stunden-Schichten am Wochenende. Mit dem wäre es nämlich möglich, tagsüber nur mit der Hälfte des Personals auszukommen. Tatsächlich ist der Krankenstand um 42 Prozent gesunken. 

Für die positive Wirkung des neuen Arbeitszeitmodells gibt es vor allem zwei Erklärungen:

  • Ein zusätzliches freies Wochenende macht schlicht zufriedener und ist damit gesundheitsfördernd.
  • In einem Team gibt es meistens einige wenige, die sich krankmelden – vorzugsweise am Wochenende und ums Wochenende herum –, ohne wirklich krank zu sein. Wenn sie nun aber nur noch an einem Wochenende im Monat Dienst haben, nimmt die Neigung, sich krankzumelden, ab.     

Auch wenn das Zwölf-Stunden-Schichtsystem die größte Veränderung im Seniorenpflegeheim Heuwer darstellt: Heuwer hat drei weitere Stellschrauben bewegt, um den Krankenstand zu senken:

  • Die Mitarbeiter können durch die digitale Dienstplangestaltung ihre Wünsche unkompliziert einbringen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand krankmeldet, weil ein aus seiner Sicht wichtiger Termin in seine Arbeitszeit fällt.        
  • Es kommt gelegentlich vor, so Heuwer, dass sich Kollegen krankmelden, weil sie im Dienstplan sehen, dass sie an einem bestimmten Tag mit einem von ihnen nicht besonders geschätzten Kollegen gemeinsam eingeteilt sind. Heuwer hat den digitalen Dienstplan deshalb absolut datenschutzkonform einrichten lassen: Jeder kann nur noch seine eigenen Dienstzeiten sehen, aber nicht die der anderen.     
  • Ein weiterer Tipp: Führung auf Augenhöhe. "Ein Beispiel: Wenn der Dienstplan fertig geschrieben ist, fragen wir jeden, ob das für ihn auch passe, und vermerken bei positiver Antwort 'abgesprochen'. Das machen wir auch, wenn es Änderungen gegeben hat. Auf diese Weise stellen wir Augenhöhe und auf beiden Seiten Verbindlichkeit her."             

Weniger Krankheitstage durch längere AU-Frist    

Auf die fünfte Idee zu Reduzierung der Krankheitstage hat eine Zuschauerin auf der Pro Care den Geschäftsführer gebracht, wo Heuwer vor einem Jahr sein Zwölf-Stunden-Modell vorstellte: "Muss man bei Ihnen schon am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen?", so die Frage aus dem Publikum. "Wenn ja, führt das möglicherweise zu längeren Krankmeldungen. Denn immer, wenn ich zum Arzt gehe wegen einer AU, schreibt er mich in der Regel mindestens drei Tage krank. Es gibt aber viele Fälle, in denen man nur einen Tag oder zwei Tage außer Gefecht gesetzt ist, etwa bei Menstruations- oder Kopfschmerzen. Ich glaube, eine Drei-Tages-Frist für die AU-Bescheinigung ist deshalb sinnvoller." Heuwer hat den Vorschlag inzwischen umgesetzt.

Kirsten Gaede   

Der Artikel erschien zuerst am 13. Februar 2025 und wurde am 24. Januar 2026 aktualisiert.     

Weitere Tipps zum Thema hoher Krankenstand finden Sie im Artikel Für niedrigere Krankenstände braucht es bessere Organisation.  

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