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16. Juni 2026 | 07:00 Uhr
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AWO mit detailliertem Gewaltschutzkonzept

Nicht anklopfen, ungefragt duzen, Bewohner bei Gesprächen übergehen: Ist das schon Gewalt? Die AWO Weser-Ems hat ein umfassendes Gewaltschutzkonzept für ihre Pflegeeinrichtungen eingeführt, das auf diese Fragen Antworten gibt und dazu noch Mitarbeitern und Führungskräften mit einem Handlungsleitfaden zur Seite steht. Gewaltschutzkonzepte dieser Art sind in der Eingliederungshilfe nicht ungewöhnlich, in der Pflege aber eher die Ausnahme.

Zum Gewaltschutzkonzept der AWO gehört auch ein Deeskalationstraining

Gewalt in Pflegeeinrichtungen wird häufig mit körperlichen Übergriffen verbunden. Das Gewaltschutzkonzept der AWO Weser-Ems setzt deutlich früher an. Es versteht Gewalt auch als Missachtung von Privatsphäre, mangelnden Respekt oder unangemessenen Umgang mit Bewohnern und Mitarbeitern.

Zu den Beispielen, die im Konzept ausdrücklich genannt werden, gehören etwa das Betreten eines Zimmers ohne Anklopfen, das ungefragte Duzen von Bewohnern, das Ignorieren von Wünschen oder Gespräche über Pflegebedürftige über deren Kopf hinweg. Unzureichende Versorgung, schlechte Kommunikationsstrukturen oder organisatorische Mängel können Gewalt begünstigen und sind deshalb ebenfalls Inhalt des Konzepts.

Gewaltschutzkonzepte sind in der Pflege nicht Pflicht

Während Gewaltschutzkonzepte in der Eingliederungshilfe seit 2021 gesetzlich vorgeschrieben sind, gibt es für Pflegeeinrichtungen bislang lediglich Empfehlungen. Bundesweit verfügen nach Einschätzung von Experten nur vergleichsweise wenige Träger über ein systematisches Konzept.

Die AWO Weser-Ems übernimmt nun ein bereits etabliertes Modell aus ihrem Geschäftsbereich Trialog und führt es schrittweise in den Pflegeeinrichtungen zwischen Nordsee und Osnabrücker Land ein. Vorgestellt wurde das Konzept kürzlich in Berlin vor rund 75 Entscheidern aus der Pflege sowie weiteren 200 Vertretern von Krankenkassen, Medizinischem Dienst und anderen Institutionen.

Im Konzept finden sich festgelegte Meldewege

Zentraler Bestandteil sind klare Verhaltensregeln sowie festgelegte Meldewege. Mitarbeiter sollen Grenzverletzungen, Übergriffe oder problematische Situationen frühzeitig ansprechen und dokumentieren können. Das Konzept dient dabei nicht nur dem Schutz von Bewohnern, sondern ausdrücklich auch dem Schutz der Beschäftigten.

Die AWO versteht das Konzept weniger als zusätzliche Bürokratie denn als Orientierung für den Alltag: Wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, entstehen zwangsläufig Abhängigkeiten. Klare Regeln für Nähe, Distanz, Respekt und Kommunikation sollen helfen, dass aus kleinen Grenzüberschreitungen keine größeren Probleme werden, so die AWO.

Das Gewaltschutzkonzept der AWO Weser-Ems steht auf der Website der AWO zum Download bereit.