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5. August 2026 | 18:01 Uhr
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Verbände reagieren wenig euphorisch auf Zivildienst-Pläne

Als der Zivildienst 2011 abgeschafft wurde, war die Sorge in Pflegeheimen und sozialen Einrichtungen groß. Nun bereitet die Bundesregierung vorsorglich seine mögliche Rückkehr vor – doch die Reaktionen der Verbände fallen überraschend verhalten aus. Sie sehen zwar Chancen, knüpfen einen neuen Zivildienst aber an Bedingungen und warnen vor neuen Problemen. So könnte etwa der Bundesfreiwilligendienst zur "Resterampe" für Frauen werden, wie die Caritas warnt.

Pflegeheim Frau Rollstuhl Pfleger außen iStock sasirin pamai.jpg

Rausgehen an die frische Luft, vorlesen, reden – Zivildienstleistende haben gemacht, wofür Pflegekräfte oft keine Zeit hatten. Oft waren sie aber auch fest in die Routine eingespannt   

Die Bundesregierung bereitet sich auf eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes vor. Denn: Sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt werden, müsste es auch einen Ersatzdienst geben. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) sagte dazu im Gespräch mit RTL/NTV, das Familienministerium bereite sich vorsorglich auf verschiedene Szenarien vor.

Die Reaktionen der Wohlfahrtsverbände fallen jedoch deutlich zurückhaltender aus, als man erwarten würde. Denn damals, vor 15 Jahren, als der Zivildienst auslief, warnten viele Einrichtungen vor Personalengpässen, die "Zivis" wurden vielerorts als unentbehrlich empfunden. Heute unterstützen mehrere Verbände zwar grundsätzlich die Überlegungen der Regierung, verknüpfen sie aber mit Forderungen.

So hält der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) einen neuen Zivildienst nur für sinnvoll, wenn er mindestens neun, besser zwölf Monate dauert. "Ohne echte Qualifizierung und mit kürzerer Dauer sitzen die Leute nur ihre Zeit ab", sagte ASB-Bundesvorsitzender Knut Fleckenstein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Außerdem fordert der Verband die freie Wahl der Einsatzstelle, die Anrechnung bereits geleisteter Freiwilligendienste und eine Finanzierung durch den Bund. Der ASB könnte nach eigenen Angaben rund 2.000 Zivildienstleistende einsetzen.

Caritas: BFD könnte durch Zivi-Comeback zur "Resterampe" für junge Frauen werden

Ähnlich äußert sich das Deutsche Rote Kreuz. DRK-Präsident Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister von 2013 bis 2018, fordert eine verlässliche Finanzierung und ausreichend Vorlauf für den Aufbau der nötigen Strukturen. Sollte die Wehrpflicht ausbleiben und damit auch der Zivildienst, müsste in jedem Fall der Bundesfreiwilligendienst (BFD) gestärkt werden. Der BFD wurde 2011 als Ersatz für den Zivildienst eingeführt.

Noch weiter geht die Caritas. Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa plädiert im Deutschlandfunk dafür, zunächst den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr attraktiver zu machen – etwa durch ein höheres Taschengeld, ein Deutschlandticket und einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst. Sie warnt außerdem vor einer Schieflage bei der Bezahlung: Während sich ein neuer Zivildienst am Sold der Bundeswehr orientieren müsste, erhielten Freiwillige derzeit nur rund 400 Euro Taschengeld. Dadurch drohe der Bundesfreiwilligendienst zur "Resterampe" für junge Frauen zu werden.

Gegen Ende 2010, gab es noch knapp 79.000 Zivis 

Ganz ablehnend sind die Sozialverbände allerdings nicht. Das Bundesfamilienministerium hatte nach eigenen Angaben bereits im Winter 23 große Organisationen – darunter Johanniter, Malteser, THW und Nabu – zu ihren Kapazitäten befragt. 22 Verbände erklärten dem Ministerium zufolge grundsätzlich ihre Bereitschaft, im Fall einer Wiedereinführung der Wehrpflicht auch wieder Zivis aufzunehmen. Das Ganze müsse jedoch gut vorbereitet und finanziert werden.

2010 leisteten noch rund 79.000 junge Männer ihren Dienst in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Rettungsdiensten oder sozialen Einrichtungen. Insgesamt absolvierten nach offiziellen Zahlen rund 2,7 Millionen Männer Zivildienst. Als Nachfolger wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt, der heute auf rund 35.000 Plätze pro Jahr kommt.

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