Verdi fordert Milliarden für Hitzeschutz in Pflegeheimen
Beim Hitzeschutz bekommen Pflegeheimbetreiber Unterstützung von ungewohnter Seite: Verdi fordert von Bund und Ländern ein Sofortprogramm für Investitionen und energetische Sanierungen. Anlass ist eine Befragung unter 321 Beschäftigten. In einigen Einrichtungen wurden demnach bis zu 45 Grad gemessen. Verdi-Vorständin Sylvia Bühler (Foto) sieht vor allem die Politik in der Pflicht.
Kay Herschelmann
"Die Bundesregierung muss ihre Pläne zur Pflegeversicherung gründlich überarbeiten", fordert Sylvia Bühler
Bei 801 Messungen zwischen Ende Juli und 10. August meldeten 41 Prozent der Teilnehmer mindestens einmal mehr als 30 Grad, fast 13 Prozent sogar mehr als 35 Grad. Elf Prozent berichteten von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnern, zehn Prozent von Dehydrierung. Neun Prozent nannten Todesfälle, die sie mit der Hitze in Verbindung bringen.
Die Gewerkschaft Verdi macht nicht allein die Einrichtungen verantwortlich, sondern nennt als Ursachen vor allem den Investitionsstau und die unzureichende Finanzierung durch die Länder. Auch der Bund trage Verantwortung. "Bund und Länder müssen dringend ein Sofortprogramm für Hitzeschutz und energetische Sanierung von Pflegeeinrichtungen auflegen", fordert Bühler. Eine staatliche Finanzierung würde nach ihrer Einschätzung zugleich die Eigenanteile der Bewohner entlasten.
"Personalausstattung kollabiert in Hitzephasen vollständig"
Zugleich richtet Verdi den Blick auf die Beschäftigten. Zusätzliche Getränke, Kontrollen und andere Schutzmaßnahmen bedeuten während einer Hitzewelle mehr Arbeit, während gleichzeitig Krankheitsausfälle drohen. "Die schon im Alltag viel zu knappe Personalausstattung kollabiert in Hitzephasen vollständig", sagt Bühler.
Für Verdi ist das auch ein Argument gegen Kürzungen bei der geplanten Pflegereform. "Die Bundesregierung muss ihre Pläne zur Pflegeversicherung gründlich überarbeiten. Statt Kürzungen braucht es endlich bedarfsgerechte Vorgaben für den Personaleinsatz, die vollständig refinanziert werden müssen", sagt Bühler.
Von den 321 Teilnehmern arbeiten 55 Prozent in einer Einrichtung der Freien Wohlfahrtspflege, 30 Prozent bei einem privaten und 15 Prozent bei einem kommunalen Träger.