Dorea-Chef von Horstig braucht zum Abschalten nur Airpods
Seit drei Jahren bringt Walter von Horstig als CEO die einst insolvente Dorea-Gruppe wieder auf Kurs – mit Ideen jenseits des Mainstreams. Doch der 61-Jährige hält den Ball flach. Dorea habe ihn gewählt, weil er restrukturierungserfahren sei, sagt der Betriebswirt im Care-vor9-Fragebogen "Persönlich" kurz und knapp. Ein Job ist ein Job, scheint seine Devise, nicht mehr und nicht weniger. Wohl deshalb auch reichen ihm Airpods, um abzuschalten.
privat
Bevor Walter von Horstig zu Dorea kam, war er Vorstand einer Praxis- und Klinikkette für Schönheitsmedizin
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Als Kind war ich zu sehr mit meinen Hobbys beschäftigt, als dass ich so weit nach vorne gedacht hätte. Irgendwann gab es aber mal den brennenden Wunsch, Förster zu werden.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Zunächst – wie so viele – im privaten Bereich bei der häuslichen und stationären Pflege eines Bruders. Und dann gab es 2022 einen "Match" bei einer Stellensuche der Dorea-Gruppe, die einen restrukturierungserfahrenen Geschäftsführer mit Hintergrund in dezentralen Servicekonzepten suchte.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Vielzahl der Menschen, die ihren Beruf nicht nur zum Geld verdienen gewählt haben, sondern eine sehr persönliche und tief empfundene Mission verfolgen.
Was nervt Sie am meisten?
Zu viel Bürokratie, zu viele Begrenzungen der Bewegungsfreiheiten und – gerade in unserer Branche – zu viele Kontrollinstanzen, die immer nur auf ihren kleinen eigenen Regelungsbereich schauen, ohne das große Ganze im Blick zu haben.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
All das intensivieren, für das aktuell leider zu wenig Zeit bleibt: Lesen, Segeln, die Jagd, Reisen, Freundschaften…
Wie schalten Sie ab?
Das ist bei mir zum Glück im Programm drin. Ich verlasse das Büro, Airpods rein und dann ist der Kopf sofort woanders.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Gerade angefangen: "NSA – Nationales Sicherheits-Amt" von Andreas Eschenbach. Er entwirft ein Szenario des Dritten Reichs, in dem es bereits die heutigen elektronischen Mittel gibt.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
"Die Odyssee" – sehr, sehr bildgewaltig und empfehlenswert!
Ihr Lieblingsessen?
Nichts Besonderes, gern einfache Hausmannskost, wie Frikadellen mit Kartoffeln und Möhren, Ratatouille, Spaghetti Aglio Olio, Matjes mit Bratkartoffeln.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nördliche Provence: das Klima des Mittelmeers, ohne dass die Natur im Spätsommer oder Frühherbst vollständig gelb verbrannt ist.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Um ehrlich zu sein: Das ist keine Kategorie, in der ich denke. Ich freue mich immer wieder über intensive und tiefgründige Gespräche, egal mit wem.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Solange die Gesundheit mitspielt selbstverständlich in unserem Haus und Garten in Süd-Schleswig-Holstein. Und wenn die Knochen nicht mehr so richtig wollen, dann mit und nahe der Familie – wo auch immer sie sich dann aufhält.
Walter von Horstig ist seit 2023 CEO der Dorea-Gruppe. Zuvor war er Vorstand einer Praxis- und Klinikkette für Schönheitsmedizin und kaufmännischer Geschäftsführer eines DRK-Blutspendedienstes. Weitere Stationen waren die Underberg-Gruppe, verschiedene Start-ups sowie die Unternehmensberatung Bain & Company. Der 1965 in Wuppertal geborene Betriebswirt studierte und promovierte in Mannheim und St. Gallen. Heute lebt von Horstig in Ratzeburg östlich von Hamburg.